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Viel mehr Menschen brauchen Hilfe der Tafeln

Die Tafeln fordern von Politik und Gesellschaft einen anderen Umgang mit armutsbetroffenen Menschen.

„Hinter unseren 75.000 Helferinnen und Helfern liegen fünf kräftezehrende Jahre. Die Corona-Pandemie machte Tafel-Arbeit zeitweise fast unmöglich und offenbarte zugleich schmerzlich, wie viele Menschen in unserem Land die Tafeln immer dringender brauchen. Die Folgen der Inflation und des Angriffskriegs auf die Ukraine haben die Zahl unserer Kundinnen und Kunden um durchschnittlich 50 Prozent steigen lassen, während die Lebensmittelspenden stagnierten oder sogar zurückgingen“, so Andreas Steppuhn, Vorsitzender Tafel Deutschland.

„Das Ausmaß von Armut in unserem Land ist vielen Menschen nach wie vor nicht bewusst“, mahnt Steppuhn und fordert von der neuen Bundesregierung eine soziale Zeitenwende. „Armut braucht weniger Scham, sondern stattdessen mehr Sichtbarkeit und Stimme, damit ihre Ursachen politisch bekämpft werden können.“

Herausfordernde Lage bei vielen Tafeln: Aufnahmestopps und Wartelisten

Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht. Noch immer kann fast jede dritte Tafel in Deutschland keine neuen Kundinnen und Kunden aufnehmen – viele mussten temporäre Aufnahmestopps verhängen oder Wartelisten einführen.

Rund 1,5 Millionen Menschen kommen regelmäßig zu den bundesweit über 970 Tafeln

Das sind Zahlen, die zeigen, wer die Tafeln in Anspruch nimmt: 48 Prozent der Kundinnen und Kunden beziehen Bürgergeld. Fast 30 Prozent sind Kinder und Jugendliche, die mit ihren Eltern zu den Tafeln kommen. 18 Prozent sind Rentnerinnen und Rentner. 18 Prozent beziehen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz

„Seit 2021 sind die Lebensmittelpreise um 30 Prozent gestiegen. Die Einkommen, Renten und Sozialleistungen wurden hingegen nur geringfügig angepasst. Für Menschen mit wenig Geld hat sich die Situation dramatisch verschärft“, betont Andreas Steppuhn. Er fordert von der neuen Bundesregierung, dass Milliardeninvestitionen in Infrastruktur und Verteidigung nicht zulasten einer starken Sozialpolitik gehen dürfen.

Zu wenig Lebensmittel, zu viele armutsbetroffene Menschen, zu wenig Ehrenamtliche

Die größte Herausforderung für die Tafeln bleibt die Unterstützung mit Lebensmitteln:

  • 67 Prozent aller Tafeln berichten, dass die Menge der geretteten Lebensmittel nicht ausreicht
  • 45 Prozent der Tafeln benennen die hohe Anzahl der Kundinnen und Kunden als herausfordernd
  • 30 Prozent der Tafeln melden einen Mangel an ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern
Neue Wege: Digitalisierung, Logistik und die Allianz für Lebensmittelrettung

Um sich für die Zukunft zu wappnen, setzen die Tafeln auf Digitalisierung und bessere Logistik – und wollen so noch mehr Lebensmittel retten. „Unsere Mission ist sozial-ökologisch. Wir retten Lebensmittel vor der Vernichtung und helfen damit Menschen, die zu wenig haben“, erklärt Sirkka Jendis, Geschäftsführerin Tafel Deutschland. Ein Meilenstein ist die neu gegründete Allianz für Lebensmittelrettung, die gezielt Lebensmittelüberschüsse aus der Industrie nutzt – dort fallen mehr Überschüsse an als im Handel.

Bildnachweis: kjpargeter freepik © DNEWS24

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