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Tele-Notärzte als Antwort auf den Notarztmangel – Pilotprojekte in Schleswig-Holstein und Bayern

Die Demografie in Deutschland nimmt das Gesundheitswesen in den Zangengriff: weniger Ressourcen, höhere Anforderungen. Pilotprojekte in zwei Bundesländern sollen Lösungswege aufzeigen.

In Zeiten zunehmender Engpässe im Rettungswesen setzen Bundesländer wie Schleswig-Holstein und Bayern auf digitale Innovation: Tele-Notärzte sollen die medizinische Versorgung in Notfällen sichern, wenn vor Ort kein Notarzt verfügbar ist. Die Projekte gelten als Meilenstein in der Weiterentwicklung des Rettungsdienstes – insbesondere für ländliche Regionen und ältere Menschen, die besonders auf schnelle Hilfe angewiesen sind.

Schleswig-Holstein: Zwei Telenotarzt-Zentralen für die Hälfte der Bevölkerung

In Schleswig-Holstein entsteht derzeit eines der größten Telenotfallmedizin-Systeme Deutschlands. Acht Gebietskörperschaften – darunter Kiel, Lübeck, Flensburg und Neumünster – haben sich zusammengeschlossen, um zwei Telenotarzt-Zentralen in den Leitstellen von Kiel und Lübeck aufzubauen. Rund 250 Rettungsmittel sollen mit der Telemedizinplattform corpuls.mission ausgestattet werden, sodass Rettungskräfte bei Bedarf per Video und Datenübertragung mit einem Notarzt verbunden sind.

Der Vorteil: Der Telenotarzt kann Diagnosen stellen, Medikamente freigeben und das Rettungspersonal taktisch beraten – ohne Anfahrtszeit. Besonders in strukturschwachen Regionen oder auf den nordfriesischen Inseln, wo ärztliche Hilfe oft weit entfernt ist, kann das Leben retten.

Bayern: Flächendeckender Ausbau bis 2031 geplant

Auch Bayern geht mit großen Schritten voran. In Bogen (Niederbayern) wurde im Januar 2025 der erste Telenotarzt-Standort in Betrieb genommen. 25 Rettungswagen sind bereits mit Videotechnik und Bodycams ausgestattet, um eine Echtzeit-Kommunikation mit dem Telenotarzt zu ermöglichen. Die Initiative wird vom Innenministerium getragen und soll bis 2031 flächendeckend verfügbar sein.

Der Telenotarzt ist dabei nicht als Ersatz gedacht, sondern als Ergänzung: Er hilft bei der Erstversorgung, verkürzt das arztfreie Intervall und entlastet die Notärzte vor Ort. Gerade in ländlichen Regionen, wo der Ärztemangel besonders spürbar ist, kann das System entscheidend sein.

Herausforderungen und Perspektiven

Trotz der Fortschritte bleibt die Einführung komplex. Die Finanzierung, technische Ausstattung und Schulung des Personals erfordern enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Rettungsdiensten und Krankenkassen. Doch die Vorteile überwiegen: schnellere Hilfe, effizientere Ressourcennutzung und mehr Sicherheit für Patientinnen und Patienten.

Die Tele-Notarzt-Systeme zeigen, wie Digitalisierung gezielt eingesetzt werden kann, um Versorgungslücken zu schließen – und wie moderne Technik zum Lebensretter wird.

 

Bild: stefamerpik freepik © DNEWS24

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