DNEWS24 – Das digitale Magazin für Demografie und Demokratie

Studie zeigt: Lebenserwartung bei Renteneintritt unterschätzt tatsächliche Rentendauer deutlich

Neue Analysen des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung belegen: Wer heute mit 65 Jahren in Rente geht, lebt im Durchschnitt länger als es die offizielle Lebenserwartung zum Rentenstart vermuten lässt. Das hat Folgen für die Altersvorsorge und die Rentenpolitik.

Die steigende Lebenserwartung gilt seit Jahren als zentrales Argument für ein höheres Renteneintrittsalter. Doch wie lange Menschen nach ihrem Rentenbeginn tatsächlich leben, lässt sich zum Zeitpunkt des Renteneintritts nur grob abschätzen. Grundlage ist die statistische Lebenserwartung im Alter von 65 Jahren, die aktuell bei 21,2 Jahren für Frauen und 18,2 Jahren für Männer liegt. Rechnerisch erreichen Frauen damit ein durchschnittliches Alter von 86,2 Jahren, Männer von 83,2 Jahren.

Eine neue Analyse des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) zeigt jedoch: Die tatsächliche Lebensdauer der Rentnerinnen und Rentner liegt meist über diesen Werten. Besonders Menschen über 70 profitieren von medizinischen Fortschritten, die die Sterblichkeit in höheren Altersgruppen deutlich senken. Dadurch erreichen die heute 65‑Jährigen voraussichtlich ein höheres Alter, als es die statistische Prognose zum Rentenbeginn vermuten lässt.

Der langfristige Vergleich zwischen der Lebenserwartung mit 65 und der später tatsächlich erreichten Lebensdauer bestätigt diesen Trend. Laut BiB‑Forscher Dr. Michael Mühlichen lebten 65‑Jährige in den vergangenen Jahrzehnten fast durchgehend länger als prognostiziert. Besonders stark war der Effekt bei den Jahrgängen 1980 bis 2003, die dank großer Fortschritte in der Behandlung von Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen im Schnitt 1,5 bis 2 zusätzliche Lebensjahre erreichten. Auch für heutige Renteneinsteiger erwartet das Statistische Bundesamt Zugewinne zwischen 0 und 2 Jahren.

Die größten Fortschritte zeigen sich im Alter zwischen 75 und 84 Jahren. Verbesserte Therapien bei Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen, Krebs und Demenz tragen dazu bei, dass die Lebenserwartung im höheren Alter weiter steigt. „Auch künftig sind Anstiege sehr wahrscheinlich“, betont Mühlichen.

Für die Altersvorsorge und die Rentenpolitik sind diese Ergebnisse hoch relevant. Einige Länder wie Dänemark oder Italien haben das Rentenalter bereits an die Entwicklung der Lebenserwartung gekoppelt. Auch in Deutschland wurde dieser Ansatz diskutiert. BiB‑Forschungsdirektor Prof. Dr. Sebastian Klüsener betont jedoch: Die statistische Lebenserwartung mit 65 unterschätzt die tatsächliche Lebensdauer zwar, aber meist nur um weniger als zehn Prozent. Damit bleibt sie eine belastbare Grundlage für politische Entscheidungen – auch für eine mögliche Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung.

Bild: Gemini KI © DNEWS24

Sie können diesen Beitrag einfach teilen, benutzen Sie diese Buttons.