Menschen mit Behinderung erfahren die meiste gesellschaftliche Akzeptanz, niedrige Werte für ethnische Herkunft und Religion
Das Vielfaltsbarometer der Robert Bosch Stiftung untersucht die Einstellung der Bevölkerung zu sieben Dimensionen gesellschaftlicher Vielfalt: Lebensalter, Behinderung, Geschlecht, sexuelle Orientierung, sozioökonomische Schwäche, ethnische Herkunft und Religion. Die aktuellen Ergebnisse zeigen: In vier dieser Bereiche ist die Akzeptanz seit 2019 rückläufig, zum Teil sogar deutlich gesunken.
Besonders stabil bleibt die Zustimmung beim Aspekt Behinderung, der weiterhin die höchsten Werte erzielt (82 Punkte). Es zeigt sich, dass Menschen mit Behinderung im Vergleich zu anderen Vielfaltsgruppen häufig mehr Empathie entgegengebracht wird. Auch die Einstellung gegenüber dem Lebensalter bleibt weitgehend konstant (71 Punkte). Beim Thema Geschlecht ist sogar ein positiver Trend zu verzeichnen – hier steigt die Akzeptanz um fünf Punkte auf 74 Skalenpunkte. Im Gegensatz dazu verliert die Dimension sexuelle Orientierung rund acht Punkte (auf 69 Punkte) und verzeichnet damit einen spürbaren Rückgang.
Noch kritischer wird die ethnische Herkunft bewertet: Im Bundesschnitt sinkt die Zustimmung um bis zu 17 Punkte – der stärkste Rückgang aller untersuchten Dimensionen. Auch die Akzeptanz gegenüber Religion ist stark rückläufig. Mit einem Bundesdurchschnitt von lediglich 34 Punkten zeigt sich eine weit verbreitete Ablehnung, die insbesondere Muslime betrifft. Religiöse Christen und Juden erfahren hingegen deutlich weniger Zurückweisung. Im Vergleich zu allen anderen Dimensionen fallen die Akzeptanzwerte so niedrig wie nirgendwo anders aus.
Das Merkmal sozioökonomische Schwäche schneidet ebenfalls schlecht ab und bestätigt den Trend: Die gesellschaftliche Offenheit gegenüber benachteiligten Gruppen nimmt ab – ein besorgniserregendes Signal für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Das Ost-West-Gefälle löst sich auf
Bürger in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen zeigen im Bundesvergleich die höchsten Akzeptanzwerte, gefolgt von dem Saarland und Hamburg. Das Mittelfeld umfasst Niedersachsen, Bremen, Berlin, Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Baden-Württemberg. Thüringen, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern bilden das Schlusslicht.
Auffällig ist: Das frühere West-Ost-Gefälle findet sich so nicht mehr, auch im Westen sinkt die Akzeptanz zunehmend. Insbesondere in den Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg haben sich die Werte im Vergleich zu 2019 verschlechtert. „Die Gräben zwischen Befürwortern und Gegnern von Vielfalt haben sich seit 2019 vertieft. Einige politische und mediale Akteure nutzen Unsicherheiten gezielt, um Spaltung noch zu verstärken“, kommentiert Dr. Ferdinand Mirbach, Senior Experte und Vielfaltsbeauftragter der Robert Bosch Stiftung, die Ergebnisse.
Die Studie Vielfaltsbarometer 2025 der Robert Bosch Stiftung finden Sie hier.