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Salut, ma France! Cevennen - schön, wild, unbekannt.

Schroff, windumtost und voller herber Schönheit sind die Cevennen ein Mittelgebirge in der Nähe der Küste des Languedoc.

Midi moins le quart – noch nicht ganz im Süden, aber bereits spürbar von mediterraner Leichtigkeit berührt – beginnt das wilde Herz der Cévennes. Dieses Bergland im Südosten des Massif Central ist eine Landschaft voller Kontraste: schroffe Gipfel, tiefe Täler, weite Wiesen und dichte Wälder formen eine Region, die seit Jahrhunderten als Klimascheide gilt. Kalte Winter, heiße Sommer, heftige Winde und plötzliche Regenfälle prägen die Hochflächen und verleihen ihnen ein raues, zugleich faszinierendes Gesicht. Wer hier unterwegs ist, erlebt eine Natur, die sich nicht anbiedert, sondern mit stiller Größe beeindruckt – einsam, weit und von einer Schönheit, die sich erst im genauen Hinsehen offenbart.

An den Hängen und in den Schluchten wachsen Eichen und Esskastanien, die seit jeher das Bild der Cevennen bestimmen. Die einst weit verbreiteten Buchenwälder verschwanden im 19. Jahrhundert, als die Glasbläsereien der Region große Mengen Holz benötigten. Mit dem Ende dieser Epoche begann eine intensive Aufforstung mit schnellwachsenden Nadelbäumen, die das Landschaftsbild bis heute prägt. Doch trotz dieser Eingriffe bleibt das Bergland ein Ort, an dem die Natur den Ton angibt.

Im Süden öffnet sich die Landschaft zur Garrigue, jener typisch mediterranen Vegetation aus duftenden Kräutern, Olivenhainen und Weinbergen. Hier zeigt sich der Übergang vom rauen Bergland zum warmen Süden besonders eindrucksvoll. Große Teile der Region stehen heute unter Schutz: Der Parc National des Cévennes und der Parc Naturel Régional des Grands Causses bewahren das Gebiet als UNESCO‑Biosphärenreservat und Weltnaturerbe. Dank der geringen Besiedlung und kaum vorhandener Lichtverschmutzung gehören die Cévennes zudem zu den bedeutendsten Dark‑Sky‑Reservaten der Welt. Wer hier nachts den Himmel betrachtet, erlebt ein Sternenmeer, das selbst erfahrene Reisende sprachlos macht.

Trotz wachsender touristischer Bedeutung bleibt die Region dünn besiedelt und stark von traditioneller Landwirtschaft geprägt. Ein zentraler Bestandteil ist die Transhumanz, der jahrhundertealte Rhythmus des Viehtriebs. Über die alten drailles, die historischen Hirtenwege, ziehen die Herden im Juni aus den Winterquartieren in den Tälern hinauf zu den Sommerweiden der Berge Mont Lozère (1.699 m) und Mont Aigoual (1.567 m). Dort wachsen zwischen Kalk, Gneis und Granit aromatische Kräuter und saftige Gräser, die den Tieren eine besonders nährstoffreiche Nahrung bieten. Diese Wanderung ist nicht nur landwirtschaftliche Tradition, sondern ein lebendiges Kulturerbe, das die enge Verbindung zwischen Mensch, Tier und Landschaft sichtbar macht.

Die Cévennes sind ein Stück Südfrankreich, das sich seine Ursprünglichkeit bewahrt hat. Eine Region, die mit ihrer Weite, ihrem Licht und ihrer Stille berührt. Wer hier reist, spürt schnell, warum dieses Bergland seit Jahrhunderten Menschen inspiriert: Es ist ein Ort, der nicht laut um Aufmerksamkeit wirbt, sondern mit seiner natürlichen Kraft überzeugt – ein Frankreich, das man nicht vergisst.

Mehr Informationen: 

Cevennen: Der Genuss der wilden Berge

Salut, ma France! im DNEWS24Podcast
Hilke Maunder

Hilke Maunder, 1961 in Hamburg geboren, kam nach ihrem Anglistikstudium und Volontariat 1989 als Redakteurin zu den Lübecker Nachrichten, berichtete aus Mecklenburg und den “Fünf Neuen Ländern”. Danach ging sie als Korrespondentin ins Baltikum, nach China, Vietnam und nach Australien. Hilke Maunder arbeitete für Tony Blair.

Seit 2010 berichtet sie aus Frankreich. 2014 wurde sie für ihre Arbeit und ihren Blog „Mein Frankreich“ mit der Médaille de Tourisme ausgezeichnet, 2023 mit dem Gutedelpreis.

In DNWS24 hat sie in verschiedenen DTalks über Frankreich informiert. Mit „Salut, ma France!“ hat Hilke Maunder nun ein eigenes Format in DNEWS24TV und berichtet alle zwei Wochen über Land und Leute.

Mehr Ausgaben von Salut, ma France! in DNEWS24 finden Sie hier.

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Bild: Hilke Maunder © DNEWS24

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