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Reformoptionen für eine stabile Rente. DTalk mit Professor Dr. Marcel Thum

Ohne umfassende Reform droht das gesetzliche Rentensystem zu implodieren. Wissenschaftler um Ko-Autor Marcel Thum legen Reformoptionen vor.

Das Rentensystem in Deutschland muss dringend reformiert werden. Sonst steigen die Kosten ungebremst an und die Lasten für kommende Generationen werden unzumutbar. Das ist das Fazit eines Gutachtens des ifo Instituts für die Friedrich Naumann Stiftung. „Deutschland steht vor einer dramatischen demografischen Herausforderung. Ohne Reformen droht der Beitragssatz in der gesetzlichen Rentenversicherung bis 2050 von 18,6 Prozent auf 22 Prozent zu steigen – mit gravierenden Folgen für Beschäftigte und Unternehmen“, warnt Marcel Thum, Geschäftsführer der ifo Niederlassung Dresden und Ko-Autor des Gutachtens.

„Die Lebenserwartung der Deutschen ist angestiegen und die jüngeren Kohorten sind deutlich dünner besetzt als die Babyboomer-Generation. Die Kosten der Alterung dürfen aber nicht einseitig den jüngeren Menschen zugeschoben werden. Deshalb sollte der Nachhaltigkeitsfaktor wiedereingeführt werden und das Renteneintrittsalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Mit Mütterrente und Haltelinie geht es leider gerade in die falsche Richtung“, sagt Thum.

Den Berechnungen zufolge würden die Bundeszuschüsse um über 50 Prozent wachsen, wenn die Politik nicht entschieden gegensteuert. Das Gutachten bewertet mehrere Handlungsoptionen. Würde man die Rente ab 63 Jahren abschaffen, brächte dies zwar nur eine geringe Entlastung, würde aber wenigstens einen Anstieg der Ausgaben verringern. Würde man den Anstieg der Renten stärker am Verhältnis von Rentenbeziehern und Einzahlern orientieren (Nachhaltigkeitsfaktor), könnten die Rentenausgaben sogar gesenkt werden. Sehr stark würde eine Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung wirken. Auch eine Anpassung der Bestandsrenten an die Inflationsentwicklung würde das Rentensystem nachhaltig entlasten.

DTalk mit dem Direktor des ifo Instituts in Dresden Professor Dr. Marcel Thum.

Marcel Thum wurde in München geboren und studierte von 1985 bis 1990 Volkswirtschaftslehre an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Das Studium schloss er als Diplom-Volkswirt ab. Anschließend war er an der LMU am Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Nach seiner Promotion 1995 und einem kurzen Aufenthalt als John Foster Dulles Visiting Lecturer an der Woodrow Wilson School der Princeton University kehrte er nach München zurück und war dort bis zu seiner Habilitation 2001 Wissenschaftlicher Assistent.

Seit 2001 ist Thum Professor für Volkswirtschaftslehre an der TU Dresden und seit 2004 Leiter der Niederlassung des ifo Instituts in Dresden. Seit 2019 ist er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen.

DTalk im DNEWS24Podcast

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