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Pflege und Beruf: Die versteckten Kosten für Unternehmen steigen deutlich

Immer mehr Beschäftigte übernehmen die Pflege von Angehörigen – oft zusätzlich zu einem Vollzeitjob. Für Arbeitgeber bedeutet das wachsende Belastungen, denn Präsentismus, Ausfälle und Kündigungen summieren sich zu hohen Kosten. Gleichzeitig droht das geplante Pflegeneuordnungsgesetz die Situation für Betroffene weiter zu verschärfen.

Der Alltag vieler Beschäftigter in Deutschland beginnt längst nicht erst am Arbeitsplatz: Bevor der Rechner hochfährt, werden Angehörige versorgt, Arzttermine organisiert oder Pflegeeinsätze koordiniert. Rund 7,1 Millionen Menschen kümmern sich zu Hause um pflegebedürftige Familienmitglieder – und die große Mehrheit von ihnen steht gleichzeitig im Berufsleben. Studien zeigen, dass inzwischen 73 Prozent der pflegenden Angehörigen erwerbstätig sind. Die demografische Entwicklung verstärkt diesen Trend: Bis 2035 wird jede vierte Person hierzulande 67 Jahre oder älter sein, während die Regelaltersgrenze steigt. Immer mehr Menschen müssen damit Beruf, Partnerschaft und Pflege gleichzeitig stemmen.

Für Unternehmen hat das spürbare Folgen. Laut einer Untersuchung des Schneider‑Instituts entstehen Arbeitgebern durch Präsentismus, Fehlzeiten und Fluktuation durchschnittliche Kosten von rund 14.156 Euro pro pflegender Mitarbeiterin oder pflegendem Mitarbeiter und Jahr. Die Belastung führt häufig zu einschneidenden Entscheidungen: 13 Prozent der Betroffenen verlassen ihren Arbeitsplatz, weitere 21 Prozent reduzieren ihre Arbeitszeit. Besonders bemerkenswert: Angehörigenpflege ist längst kein Thema mehr, das sich auf ältere Beschäftigte beschränkt. Befragungen zeigen, dass bereits ein erheblicher Teil der jüngeren Generation Pflegeaufgaben übernimmt – teils schon im Alter zwischen 16 und 29 Jahren.

Reformpläne könnten Flexibilität weiter einschränken

Mitten in dieser Entwicklung plant die Bundesregierung das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG). Nach Einschätzung des Pflegeanbieters Aterima Care könnte der Entwurf die Situation für pflegende Angehörige jedoch verschlechtern. Vorgesehen ist, die bisher flexibel nutzbaren Budgets für Verhinderungs- und Kurzzeitpflege durch stärker zweckgebundene Mittel zu ersetzen. Das neue Überbrückungsbudget soll deutlich geringer ausfallen, und die Möglichkeit, Beträge über mehrere Monate anzusparen, entfällt. Auch die Umwandlung nicht genutzter Pflegesachleistungen soll künftig nicht mehr möglich sein.

Peter Blassnigg, Geschäftsführer von Aterima Care, warnt vor den Folgen: Die Reform nehme den Familien genau jene Spielräume, die sie bräuchten, um Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren. Starre Monatsbudgets seien nicht geeignet, den oft unvorhersehbaren Pflegealltag zu unterstützen. Wenn Mittel nicht mehr flexibel abrufbar seien, müssten Beschäftigte Versorgungslücken häufig mit Urlaubstagen, Überstundenabbau oder Freistellungen schließen.

Unternehmen stehen vor einer strategischen Aufgabe

Für Arbeitgeber ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag. Familienfreundliche Maßnahmen gehören für viele Beschäftigte zu den wichtigsten Kriterien bei der Wahl eines Arbeitgebers. Wer pflegende Mitarbeitende unterstützt, stärkt nicht nur die Bindung bestehender Fachkräfte, sondern erhöht auch die Attraktivität im Wettbewerb um neue Talente.

Aterima Care hat dafür ein eigenes Unternehmensprogramm entwickelt. Eine anonyme Befragung zeigt zunächst, wie viele Beschäftigte tatsächlich Pflegeaufgaben übernehmen und ob sie deshalb über eine Stundenreduzierung oder Kündigung nachdenken. Unternehmen erhalten anschließend Informationsmaterialien, Workshops und Vorträge, die Mitarbeitenden niedrigschwellig zugänglich sind. Auf Wunsch werden auch HR‑Teams geschult, um erste Beratungsgespräche selbst führen zu können und langfristig eine pflegefreundliche Unternehmenskultur zu etablieren.

Blassnigg bringt es auf den Punkt: Pflege sei längst ein gesamtgesellschaftliches Thema – und damit auch ein wirtschaftliches. Wer die Realität pflegender Beschäftigter ignoriere, zahle am Ende mit höheren Fehlzeiten, steigender Fluktuation und dem Verlust wertvoller Fachkräfte.

Bild: Gemini KI © DNEWS24

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