Konrad Adenauer - 150. Geburtstag
Es ist Zeit, an einen großen Deutschen zu erinnern. Gedankenmacher in DNEWS24.
Jeder etwas ältere Bürger unseres Landes weiß, wo er am 19. April 1967 gewesen ist. Seit Tagen gab es immer wieder Pressemeldungen über den schlechten Gesundheitszustand von Konrad Adenauer. Am 19. April starb der erste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland im Alter von 91 Jahren in seinem Wohnhaus in Rhöndorf.
Morgen jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal.
Konrad Hermann Joseph Adenauer wurde am 5. Januar 1876 in Köln geboren. Er war das dritte Kind des Justizsekretärs am damaligen Appellationsgericht und späteren Kanzleirats Johann Konrad Adenauer und dessen Ehefrau Helena Scharfenberg. Die Familie Adenauer lebte bescheiden, obwohl der Vater recht gut verdiente. Auch die Mutter trug durch Näharbeiten zum Lebensunterhalt bei, wobei die Kinder der Familie Adenauer tatkräftig behilflich waren.
Nach dem Abitur in Köln, erhielt Adenauer ein Stipendium der Kölner Krämer-Stiftung und studierte an den Universitäten von Freiburg, München und Bonn Rechts- und Staatswissenschaft.
Nach einer Referendar- und Assessor-Tätigkeit wurde Adenauer Kommunalpolitiker. Zunächst war er ab 1906 Beigeordneter und dann ab 1909 Erster Beigeordneter und damit erster Stellvertreter des Oberbürgermeisters Max Wallraf. Am 18. September 1917 wählte ihn die Kölner Stadtverordnetenversammlung ohne Gegenstimme auf 12 Jahre zum bis dahin jüngsten Oberbürgermeister der Stadt Köln. Von 1921 bis 1933 war Adenauer zudem Präsident des preußischen Staatsrats. Mehrmals in der Zeit der Weimarer Republik war Adenauer als Kandidat für die Reichskanzlerschaft im Gespräch, die jedoch nie richtig konkret wurden. Nach den Kommunalwahlen im März 1933 wurde Konrad Adenauer als Bürgermeister von Köln seines Amtes enthoben, da er sich geweigert hatte, den neuen Reichskanzler Adolf Hitler zu empfangen. Im April 1933 verlor er auch seinen Posten als Präsident des Preußischen Staatsrates. Im weiteren Verlauf der nationalsozialistischen Herrschaft wurde Adenauer mehrmals von der Geheimen Staatspolizei inhaftiert.
Unmittelbar nach Kriegsende wurde Adenauer wieder als Bürgermeister von Köln eingesetzt, nach 5 Monaten aber von der Besatzungsmacht wegen von den Engländern so empfundener Unbotmäßigkeit wieder abgesetzt.
Seit dem Sommer 1945 betrieb Konrad Adenauer, der Zentrumspolitiker gewesen war, die Gründung der CDU. 1948 wurde Adenauer Präsident des Parlamentarischen Rates, der über die Verfassung für einen deutschen Weststaat beriet.
Bei der ersten Bundestagswahl am 14. August 1949 wurde Konrad Adenauer für den Wahlkreis Bonn Stadt und Land mit 54,9 Prozent der Stimmen direkt gewählt. Er wurde bei den Bundestagswahlen 1953, 1957, 1961 und 1965 jeweils wiedergewählt – mit Mehrheiten von bis zu 68,8 Prozent und vertrat diesen Wahlkreis bis zu seinem Tod 1967. Innerhalb der CDU setzte er im 1. Deutschen Bundestag die Regierungsbildung einer bürgerlichen Koalition von CDU/CSU, FDP und DP durch und wurde am 15. September 1949 im ersten Wahlgang mit der denkbar knappsten Mehrheit von 202 der 402 stimmberechtigten Mitglieder des Hauses bei 142 Nein-Stimmen zum ersten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Konrad Adenauer war zu diesem Zeitpunkt 73 Jahre alt.
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In der Zeit der Kanzlerschaft Konrad Adenauers, die am 15. Oktober 1963 endete, schufen die von ihm geführten Regierungen die Grundlagen für den Wiederaufbau des durch den 2. Weltkrieg stark zerstörten Landes und führten die Soziale Marktwirtschaft als wirtschaftliche und gesellschaftliche Grundlage des Wirtschaftswunders ein. Vertriebene und Kriegsbeschädigte wurden sozial durch den Lastenausgleich unterstützt. 1957 setzte Konrad Adenauer das Umlageverfahren zur Finanzierung der Rente durch.
Er führte die Bundesrepublik Deutschland in das westliche Wertesystem und die NATO. Deutschland wurde Gründungsmitglied zunächst der Montanunion und 1957 der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der Vorläufer-Organisation der Europäischen Union (EU). Adenauer schaffte die Aussöhnung mit dem Erbfeind Frankreich und dem Staat Israel als jüdischer Heimstatt und holte 1955 die letzten deutschen Kriegsgefangenen aus der Sowjetunion.
Adenauer schuf mit seiner Politik erst die Grundlagen, auf denen sein späterer Nachfolger Willy Brandt die Aussöhnung mit den Oststaaten Europas gründen konnte. Die EWG entwickelte sich in der Folge zu einem integrativen Staatenbund. Schließlich waren die feste Verankerung im Westen und die ökonomische Stärke als Folge des deutschen Wirtschaftswunders die Grundbedingungen für die Wiedervereinigung der Bundesrepublik Deutschland und der DDR am 3. Oktober 1990.
Deutschland, Europa und die Welt haben dem „Alten“ viel zu verdanken.
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