Italian Secrets: Val Resia – ein verborgener Schatz im Friaul
Nachdem wir in der vergangenen Woche über Civita di Bagnoregio (Latium) – Die „Sterbende Stadt“ gesprochen haben, geht es heute ganz in den Nordosten Italiens: Wir begeben uns in die Region Friaul-Julisch Venetien und ich sage: Herzlich willkommen in einer der verborgensten Ecken Italiens – dem Val Resia.
Val Resia ist ein Tal voller Geschichte, fast vergessener Sprache und faszinierender Tänze. Heute nehmen wir Sie mit auf eine kulinarische und kulturelle Entdeckungsreise…“
Im äußersten Nordosten Italiens, eingebettet zwischen den Karnischen Alpen, liegt das abgeschiedene Val Resia. Das Tal ist berühmt für seine einzigartige Kultur, die sich über Jahrhunderte nahezu ungestört entwickelt und erhalten hat. Hier spricht man noch Resianisch, eine fast vergessene slawische Sprache, und die Bewohner pflegen eine Fülle an Traditionen, Tänzen und Festen, die in ihrer Eigenart einzigartig sind.
Kleiner Exkurs bezüglich der Sprache
Das Resianische ist eine slowenische Mundart, die abseits des Standardslowenischen eine eigene Literatursprache entwickelt hat. Gesprochen wird sie in zwölf Ortschaften im Resiatal in der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien. Die Anzahl der Sprecher des Resianischen beläuft sich auf nur mehr 1.500 Personen.
Das Resiatal ist vom eigentlichen slowenischen Sprachgebiet durch einen Höhenzug der Julischen Alpen als natürliche Grenze und durch die italienisch-slowenische Staatsgrenze getrennt. Zusammen mit den zahlreichen Eigenheiten, die das Resianische gegenüber dem Slowenischen aufweist, hat diese isolierte Lage dazu geführt, dass es eine Mikroliteratursprache wurde.
Das Resianische als Schriftsprache
Schon im 19. Jahrhundert erschienen religiöse Texte auf Resianisch, und auch der schulische Religionsunterricht wurde zeitweise auf Resianisch erteilt. Besonders seit der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts gibt es auch Veröffentlichungen von literarischen bzw. poetischen Texten in resianischer Sprache, z. B. Gedichte, Volkslieder und Märchen. Erschwert durch die Verschiedenheit der resianischen Dialekte gelang erst in den 1990er Jahren die Einführung einer einheitlichen Orthographie und eines einheitlichen Alphabets. (Quelle: Wikipedia).
Das Val Resia ist ein Ort der starken Traditionen, der abseits der großen Touristenströme noch ursprüngliche Landschaften, uralte Bauernhäuser und eine enge Gemeinschaft bewahrt. Wer hierherkommt, taucht ein in eine Welt, in der Vergangenheit und Gegenwart harmonisch zusammenleben.
Kleiner geschichtlicher Abstecher: Im Jahre 1866 wurde das Val Resia, wie das gesamte Friaul, dem Königreich Italien angegliedert.
Kultur & Tänze
Die Resianischen Tänze sind weltweit einmalig: tranceartig, kraftvoll, oft in Reihen oder Kreisen, mit einem Rhythmus, der tief in die Geschichte des Tals reicht. Sie werden zu besonderen Anlässen aufgeführt, bei Dorffesten oder traditionellen Hochzeiten.
Val Resia ist ein Beispiel dafür, wie Tradition, Natur und Kulinarik miteinander verschmelzen – und wie kleine, abgeschiedene Orte ihre Identität trotz der modernen Welt bewahren können.
Jetzt im Herbst gibt es zahlreiche Feste in der Umgebung, die es sich lohnt zu besuchen:
So kann man zwei Wochenenden auf den Spuren der besten Äpfel in Friaul-Julisch Venetien verbringen: Flanieren Sie durch Obstgärten, besuchen Sie Fachtagungen, erfreuen Sie sich an musikalischen und tänzerischen Darbietungen. Lernen Sie dabei jede Menge Gerichte aus und mit Äpfeln kennen: Apfelbraten, Apfelwein, Apfel-Sorbet, Apfel-Grappa, Apfelpuffer. Und seien Sie dabei, wenn die Apfelkönigin gekürt wird.
In der Zeit von Mitte Oktober bis Anfang November findet in Cormòns „Der Mischsatz der Welt“ statt. Der Begriff Mischsatz bezeichnet einen Wein, der aus einer Mischung aus mehreren Traubensorten gekeltert wird.
Vom 9.-11. November ist in Muggia das Martinsfest mit den Genüssen des Herbstes. Mit diesem Fest will man sich auf den bäuerlichen Ursprung sowie die Gepflogenheiten des Ortes besinnen.
Einige kulinarische Highlights
- Polenta mit Formadi Frant – cremiger, würziger Käse über Polenta
- Gnocchi di Susine – Zwetschgen-Gnocchi, süß und fruchtig
- Wildgerichte mit Pilzen oder Kräutern
- Frico – knuspriger Käse aus Montasio
- Hausgemachte Süßspeisen wie Strudel oder Honiggebäck
Weine aus dem Friaul
- Friulano DOC – leicht und nussig, passt zu Käse & Kräutern
- Refosco dal Peduncolo Rosso DOC – fruchtig-würzig, zu Wildgerichten
- Ramandolo DOCG – süß, ideal zu Dessertgnocchi
Unser Rezept der Woche soll sein: Polenta mit Formadi Frant.
Vorab klären wir kurz, was Formadi Frant überhaupt ist. Zunächst einmal ist es eine Spezialität der Region Friaul-Julisch Venetien, aus der Notwendigkeit heraus geboren, Käsereste (Frant) zu verwerten. Diese Reste werden zerkleinert und mit Milch, Sahne, Salz und Pfeffer vermischt und ergeben so eine neue Käseform.
Diese Käse-Spezialität ist überwiegend online erhältlich: es gibt Anbieter, die sich auf lokale Produkte der Region Friaul-Julisch Venetien spezialisiert haben (z. B. Bottega del Friuli).
Nun kommen wir zum Rezept. Für vier Personen benötigen wir:
- 300 g Polenta (Maisgrieß, grob)
- 1,2 l Wasser
- 1 TL Salz
- 200 g Formadi Frant (alternativ: eine Mischung aus gereiftem Montasio und Pecorino)
- 50 ml Sahne oder Milch
- 30 g Butter
Zubereitung
Wasser mit Salz in einem Topf zum Kochen bringen. Den Maisgrieß langsam einrieseln lassen, dabei ständig rühren, damit sich keine Klümpchen bilden. Bei kleiner Hitze ca. 40 Minuten köcheln, dabei immer wieder rühren. (Tipp: Wer wenig Zeit hat, kann auf Schnellkoch-Polenta ausweichen.)
In der Zwischenzeit den Käse in Würfel schneiden, mit Sahne und Butter in einem kleinen Topf schmelzen lassen, bis eine cremige Masse entsteht. Die fertige Polenta in eine Schüssel geben, die Käsecreme unterheben oder separat darüber gießen.
Sofort servieren – traditionell direkt auf einem Holzbrett oder Teller, rustikal in der Mitte des Tisches.
Eigentlich lautet die Weinempfehlung Friulano DOC, doch da ich aktuell keinen Wein aus dieser Region im Sortiment habe, habe ich mich für einen anderen frischen Weißwein mit tollen Fruchtnoten und einer schönen Mineralität entschieden: Vom Weingut Marchioli gibt es den Pecorino d’Abruzzo.
Buon appetito und bleiben Sie gesund!