Es gibt Zugfahrten, bei denen man von einem Ort zum nächsten möchte. Und dann gibt es Zugfahrten, bei denen der Weg selbst das Ziel ist. Eine solche Fahrt erlebt man auf Sizilien mit der Ferrovia Circumetnea, der kleinen Eisenbahn rund um den Ätna.
Hier geht es nicht um einen nostalgischen Sonderzug, der nur für Touristen fährt. Die Ferrovia Circumetnea ist eine ganz normale Regionalbahn – und gerade das macht diese Reise so besonders.
Man steigt ein, nimmt Platz und lässt Sizilien langsam am Fenster vorbeiziehen. Und während der Zug durch die Landschaft fährt, verändert sich das Bild ständig: Weinberge, Obstgärten, Pistazienhaine, kleine Ortschaften, Lavafelder und die schwarzen Gesteinsmassen vergangener Ausbrüche. Immer wieder taucht der Ätna auf – manchmal majestätisch und weithin sichtbar, manchmal nur als dunkle Silhouette hinter den Häusern.
Die Ferrovia Circumetnea entstand Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr ursprünglicher Zweck war vor allem wirtschaftlicher Natur: Die Bahn sollte die Orte rund um den Ätna miteinander verbinden und den Transport landwirtschaftlicher Erzeugnisse erleichtern.
Heute ist sie gleichzeitig Verkehrsmittel und eine ganz besondere Möglichkeit, die Landschaft des Ätna kennenzulernen.
Die Strecke führt nicht direkt am Gipfel entlang – schließlich liegt der Ätna auf einer Höhe von mehr als 3.000 Metern –, sondern umrundet den Vulkan in den tieferen Lagen.
Und genau dort zeigt sich, wie eng der Vulkan und das Leben der Menschen miteinander verbunden sind.
Denn der Ätna ist nicht nur ein beeindruckender Berg.
Seine vulkanischen Böden sind äußerst fruchtbar. Auf ihnen wachsen Wein, Oliven, Obst, Zitrusfrüchte und Pistazien. Besonders bekannt ist die Gegend rund um Bronte für ihre Pistazien.
So wird aus einer Zugfahrt gleichzeitig eine kleine Reise durch die Landwirtschaft und die kulinarische Seele Siziliens.
Und während wir diese Zugfahrt unternehmen, lohnt sich ein Blick auf das, was gerade tatsächlich am Ätna geschieht.
Der Vulkan zeigt sich auch im Sommer 2026 wieder sehr aktiv. Seit Anfang August kommt es zu einer länger andauernden eruptiven Phase mit Lava- und Ascheemissionen.
Für die Menschen in der Umgebung bedeutet das nicht automatisch Gefahr. Die Behörden über-wachen die Situation fortlaufend und sperren einzelne Bereiche, wenn dies notwendig ist.
Anders sieht es beim Flugverkehr aus.
Die Nähe des Flughafens Catania zum Ätna wird immer dann zum Problem, wenn Vulkanasche in die Flugkorridore gelangt. In den vergangenen Tagen musste der Flughafen deshalb wiederholt den Betrieb einschränken und zeitweise sogar vollständig einstellen.
Inzwischen ist der Flughafen wieder in Betrieb, allerdings können sich die Einschränkungen für ankommende Flugzeuge je nach Entwicklung der Aschewolke kurzfristig verändern.
Die Ferrovia Circumetnea fährt nach regulärem Fahrplan. Sie ist kein touristisches Angebot, das wegen jeder Aktivität des Vulkans automatisch eingestellt wird. Und vielleicht ist genau das ein schönes Bild für Sizilien:
Menschen fahren zur Arbeit, Kinder gehen zur Schule, Bauern kümmern sich um ihre Felder und Züge bringen Menschen von einem Ort zum nächsten.
Der Vulkan gehört zum Alltag.
Was diese Fahrt so reizvoll macht, ist die Langsamkeit.
Kein Mietwagen, bei dem man ständig auf die Straße achten muss. Kein Reisebus, bei dem man nur für wenige Minuten aussteigt. Man sitzt am Fenster und lässt die Landschaft auf sich wirken.
Je nach Streckenabschnitt verändert sich die Szenerie immer wieder.
Mal fährt der Zug durch kleine Ortschaften, mal durch Weinberge und landwirtschaftlich genutzte Flächen. Dann wieder dominieren die dunklen Lavafelder das Landschaftsbild.
Und irgendwann wird einem bewusst: Hier sieht man nicht einfach eine schöne Landschaft. Man sieht die Spuren eines Vulkans, der diese Landschaft über Jahrtausende immer wieder verändert hat.
Das macht die Fahrt für mich so besonders.
Während der Zug langsam durch die Landschaft fährt, wird immer deutlicher, dass hier etwas ganz Besonderes zusammenkommt: der Vulkan und seine Menschen.
Der Ätna begleitet die Menschen, die rund um ihn leben, seit Jahrhunderten. Er kann zerstören, Lavafelder hinterlassen und den Alltag manchmal ganz unmittelbar beeinflussen. Gleichzeitig schenkt er der Region etwas, das für Sizilien von unschätzbarem Wert ist: fruchtbare vulkanische Böden.
Aus der besonderen Verbindung von Vulkan, Boden, Klima und menschlicher Arbeit entstehen einige der kulinarischen Schätze, für die Sizilien berühmt ist.
Denken wir nur an die Pistazien von Bronte. Die berühmten Pistacchi di Bronte DOP wachsen an den Hängen des Ätna auf Böden, die von der vulkanischen Geschichte der Region geprägt sind. Ihre intensive Farbe und ihr unverwechselbares Aroma haben sie weit über Sizilien hinaus bekannt gemacht.
Aber auch der Wein erzählt diese Geschichte.
An den Hängen des Ätna entstehen Weine, die eine ganz eigene Persönlichkeit besitzen. Die Wein-berge liegen teilweise auf unterschiedlichen Höhenlagen, die Böden sind vulkanischen Ursprungs und die Bedingungen unterscheiden sich je nach Lage erheblich. Nerello Mascalese, Nerello Cappuccio und Carricante gehören zu den Rebsorten, die hier eine besondere Heimat gefunden haben.
Das Faszinierende daran: Man kann diese Landschaft nicht einfach vom Vulkan trennen.
Und genau deshalb gefällt mir diese Zugfahrt so sehr. Während wir aus dem Fenster schauen, se-hen wir nicht einfach eine schöne Landschaft. Wir fahren durch eine Region, deren Geschichte, Landwirtschaft und Küche bis heute von diesem gewaltigen Vulkan geprägt werden.
Vielleicht ist das eine der schönsten Erkenntnisse dieser Reise: Aus dem, was der Vulkan vor langer Zeit geschaffen hat, entstehen heute Wein, Pistazien, Obst, Gemüse – und damit ein Teil dessen, was wir als sizilianische Küche lieben.
Nach so viel Sizilien darf natürlich auch der kulinarische Teil unserer Reise nicht fehlen.
Wenn es ein Gericht gibt, das für mich ganz unmittelbar mit Sizilien verbunden ist, dann ist es:
Pasta alla Norma
Auberginen, Tomaten, Basilikum und Ricotta salata – wenige Zutaten und doch ein Gericht mit unglaublich viel Geschmack.
Der Name soll übrigens auf Vincenzo Bellinis Oper „Norma“ zurückgehen. Der sizilianische Schriftsteller Nino Martoglio soll angesichts des Gerichts ausgerufen haben, es sei eine „Norma“ – also ein Meisterwerk.
Ob diese Geschichte tatsächlich genau so passiert ist, sei dahingestellt.
Lecker ist die Pasta alla Norma allemal.
Pasta alla Norma – Sizilien auf dem Teller
Die Auberginen waschen und in etwa 1 cm dicke Scheiben oder Würfel schneiden.
Leicht salzen und etwa 20–30 Minuten ruhen lassen. Anschließend mit Küchenpapier trocken tupfen.
Etwas Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Auberginen portionsweise goldbraun braten. Wer es etwas leichter möchte, kann sie auch mit wenig Olivenöl im Ofen garen.
Für die Tomatensauce Knoblauch in etwas Olivenöl sanft anschwitzen. Die Tomaten dazugeben und bei mittlerer Hitze etwa 15–20 Minuten einkochen lassen.
Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Wenn die Tomaten sehr säuerlich sind, kann eine kleine Prise Zucker die Sauce abrunden.
Zum Schluss frisches Basilikum hinzufügen.
Die Pasta in reichlich Salzwasser al dente kochen. Etwas Nudelwasser auffangen.
Die Pasta mit der Tomatensauce vermischen und bei Bedarf mit etwas Nudelwasser cremiger machen.
Die gebratenen Auberginen unterheben oder auf der Pasta verteilen.
Zum Schluss großzügig Ricotta salata darüberreiben und mit frischem Basilikum und einem guten Schuss Olivenöl extra vergine vollenden.
Frappato Rosato von Casa Grazia
Zu diesem sizilianischen Klassiker schenke ich heute den Frappato Rosato von Casa Grazia ins Glas.
Frappato ist eine alte, typisch sizilianische Rebsorte, die bekannt ist für ihre frische, fruchtige und elegante Art.
Gerade zu den Aromen der Pasta alla Norma funktioniert das wunderbar:
Die Fruchtigkeit des Weins nimmt die Tomate auf, seine Frische passt zur Aubergine und gleichzeitig bleibt er leicht genug, um das Gericht nicht zu überdecken.
Sizilien auf dem Teller und Sizilien im Glas.
Und vielleicht ist genau das die schönste Art, eine Zugfahrt durch Sizilien ausklingen zu lassen.
Man steigt aus dem Zug. Der Ätna liegt hinter einem. Vor einem steht ein Teller Pasta alla Norma. Im Glas schimmert der Frappato Rosato.
Und plötzlich versteht man, warum Sizilien nicht einfach nur ein Reiseziel ist.
Sizilien ist ein Lebensgefühl.
Und genau dieses Gefühl möchte ich mit Italian Secrets ein kleines Stück näherbringen.
Buon appetito und bleiben Sie gesund!
Porta Vagnu steht für echtes Italien: Feinkost, Olivenöl und Weine von kleinen, familiengeführten Betrieben, die mit Herz und Tradition arbeiten. Produzenten, die ihr Land respektieren, nachhaltig handeln und authentische Qualität liefern. Elke Heselmeyer spürt sie bei ihren Reisen nach Italien auf. Mehrmals im Jahr besucht sie ihre Produzenten, prüft die Qualität und probiert die neue Ernte.
Jedes Produkt erzählt seine eigene Geschichte – von Menschen, die nicht für den Massenmarkt produzieren, sondern für den echten Genuss. Porta Vagnu: Dolce Vita zum Mitnehmen.
Ihre Gastgeberin Elke Heselmeyer verwöhnt in Wiesbaden auch mit dem Genuss vor Ort, einem einzigartigen Einkaufserlebnis und fundierter Beratung. Eben: Italien riechen und schmecken, auch wenn man nicht im Urlaub ist.
Mehr Informationen: porta-vagnu.de.
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Bild: Natanael Ginting freepic, Elke Heselmeyer © DNEWS24
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