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Italian Secrets: Montefalco im Herbst – wenn die Weinberge zu leuchten beginnen

Wenn man an Umbrien denkt, denkt man vielleicht zuerst an sanfte Hügel, mittelalterliche Dörfer, Olivenhaine und Weinberge. Aber Umbrien kann noch etwas ganz anderes: Farbe. Und genau davon möchte ich diesmal erzählen.

Im Januar war ich selbst wieder einmal in Umbrien unterwegs. Wir waren auch in Montefalco, einer Stadt, die für mich schon damals etwas ganz Besonderes hatte. Hoch oben auf dem Hügel gelegen, mit Blick über die Landschaft, die sich rundherum ausbreitet.

Damals war Winter. Die Landschaft war ruhig, eher zurückhaltend. Nebel lag über den Tälern.

Aber während unserer Reise wurde uns immer wieder erzählt: „Ihr müsst Montefalco unbedingt im Herbst erleben.“ Denn dann verändert sich die Landschaft vollkommen.

Montefalco – das Herz des Sagrantino-Landes

Montefalco liegt im Herzen Umbriens und ist untrennbar mit einer Rebsorte verbunden, die zu den charakteristischsten Italiens gehört: Sagrantino. Die Weinberge rund um Montefalco prägen die Landschaft. Und wenn im Herbst die Blätter ihre Farbe wechseln, entsteht ein Schauspiel, das Fotografen aus aller Welt anzieht. Das ist nicht einfach nur ein bisschen buntes Weinlaub. Die Blätter des Sagrantino können sich in intensive Rot-, Orange- und Rosttöne verwandeln. Dazwischen liegen die grünen Flächen der Olivenhaine und die goldgelben Farbtöne anderer Rebsorten.

Das Consorzio Tutela Vini Montefalco beschreibt dieses Herbstbild selbst als eine regelrechte Explosion von Farben – vom Grün der Landschaft und der Oliven bis hin zu Gold, Orange und dem kräftigen Rot der Sagrantino-Reben.

Und genau deshalb ist der Herbst hier auch für Fotografie so besonders.

Es gibt sogar einen eigenen Fotowettbewerb rund um das „Foliage della vite del Sagrantino“. Die Weinberge der fünf Gemeinden des Anbaugebietes – Montefalco, Bevagna, Giano dell’Umbria, Gualdo Cattaneo und Castel Ritaldi – werden dabei zum Motiv.

Die Zeit der Vendemmia

Doch der Herbst in Montefalco ist nicht nur schön anzusehen.

Er ist auch eine ganz besondere Zeit für die Menschen, die hier Wein machen. Denn Herbst bedeutet Vendemmia – Weinlese. September und Oktober sind in Umbrien klassische Erntemonate. Die ersten Rebsorten werden gelesen, während die später reifenden Sorten noch Zeit brauchen.

Und genau hier wird es beim Sagrantino interessant.

Er gehört zu den spät reifenden Rebsorten. In historischen Jahrgängen des Montefalco-Gebietes beginnt seine Lese häufig später als die anderer Sorten und kann sich bis in den Oktober hineinziehen. Das bedeutet: Während wir im September vielleicht schon die ersten Zeichen des Herbstes wahrnehmen, ist im Weinberg noch längst nicht alles vorbei.

Die Winzer beobachten ihre Reben genau.
Wie entwickeln sich die Trauben?
Wie ist die Reife?
Wie sind Zucker, Säure und die phenolische Reife?

Und dann kommt der Moment, in dem entschieden wird: Jetzt ist es Zeit für die Vendemmia.

Ein Weinberg verändert sein Gesicht

Ich finde gerade diesen Übergang faszinierend.

Denn im Sommer sehen die Weinberge rund um Montefalco ganz anders aus. Die Reben stehen im satten Grün, die Trauben hängen an den Rebstöcken und die Landschaft wirkt lebendig und kraftvoll.

Dann kommt der Herbst. Die Trauben werden gelesen – und gleichzeitig beginnt das Laub seine Farbe zu verändern. Aus einem Weinberg, der eben noch voller Leben und Ernte war, wird nach und nach ein farbenprächtiges Landschaftsbild. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum Montefalco im Herbst so viele Menschen begeistert: Hier kann man den Jahreslauf des Weinbaus beinahe mit den Augen verfolgen. Vom ersten Grün bis zur Ernte. Von der Traube bis zum Wein. Und schließlich von der grünen Rebe zum leuchtenden Herbstlaub.

Montefalco ist mehr als Sagrantino

Natürlich ist der Sagrantino der große Star der Region.

Aber in Montefalco gibt es noch mehr zu entdecken.

Zum Beispiel den Montefalco Rosso, der meist auf Sangiovese basiert und durch weitere Rebsorten ergänzt wird. Er ist zugänglicher als der mächtige Sagrantino und passt deshalb für mich wunderbar zu einem herbstlichen Essen, ohne dass man gleich den ganz großen schweren Rotwein auf den Tisch stellen muss.

Und genau deshalb würde ich unseren Genussmoment diesmal mit einem Montefalco Rosso verbinden. Denn: Manchmal ist es viel spannender, eine Region über einen Wein kennenzulernen, der etwas leichter zugänglich ist.

Rezept der Woche

Und was kommt auf den Teller?

Wenn wir schon in Umbrien sind, darf natürlich die Pasta nicht fehlen. Diesmal habe ich mich für Strangozzi entschieden.

Diese handgemachte, eher kräftige Pasta ist in Umbrien zu Hause und passt wunderbar zu einer herzhaften Sauce.

Unser Rezept:

Strangozzi al ragù bianco di salsiccia

Zutaten für 4 Personen

  • Strangozzi
  • italienische Salsiccia
  • Zwiebel
  • etwas Knoblauch
  • Olivenöl
  • einen kleinen Schuss Weißwein
  • Rosmarin
  • Salz und Pfeffer
  • frisch geriebenen Parmesan oder Pecorino

Zubereitung

  1. Die Salsiccia aus der Haut lösen und in etwas Olivenöl krümelig anbraten.
  2. Zwiebel und etwas Knoblauch dazugeben und sanft mitbraten. Mit einem kleinen Schuss Weißwein ablöschen und anschließend Rosmarin dazugeben.
  3. Währenddessen die Strangozzi in reichlich Salzwasser kochen.
    Etwas Kochwasser auffangen.
  4. Die Pasta direkt zur Salsiccia geben und alles miteinander vermengen. Bei Bedarf mit etwas Kochwasser geschmeidig machen.
  5. Zum Schluss mit frisch geriebenem Käse und etwas schwarzem Pfeffer vollenden.
Weinempfehlung

Ein Montefalco Rosso bringt genügend Struktur mit, um es mit der würzigen Salsiccia aufzunehmen, bleibt aber zugänglicher als ein kräftiger Sagrantino.

Die Frucht und die Würze des Weines greifen die Aromen des Gerichts auf, während seine Frische dafür sorgt, dass die Kombination nicht zu schwer wird.

Für mich ist das ein wunderschöner Herbstmoment:

Ein Teller Pasta.

Ein Glas Rotwein.

Und die Vorstellung, irgendwo in Umbrien zu sitzen und über die Weinberge zu schauen.

Und vielleicht fahre ich im Herbst noch einmal hin…

Als ich im Januar in Montefalco war, konnte ich diese Herbstfarben natürlich noch nicht selbst erleben.

Aber die Geschichten der Menschen dort haben meine Neugier geweckt.
Ich stelle mir vor, wie die Hügel rund um Montefalco im Herbst aussehen müssen:

Die Weinberge in Rot und Orange.

Dazwischen die immergrünen Olivenbäume.

Die mittelalterlichen Orte auf den Hügeln.

Die ersten kühleren Tage.

Und überall die Erinnerung daran, dass hier gerade ein neues Weinjahr beginnt.

Vielleicht ist das der besondere Zauber des Herbstes in Umbrien:
Die Landschaft wird stiller – und gleichzeitig intensiver.
Und vielleicht versteht man dann auch ein bisschen besser, warum Menschen mit ihren Kameras hierherkommen, um genau diesen Moment festzuhalten.

Buon appetito und bleiben Sie gesund!

Italian Secrets im DNEWS24Podcast
Elke Heselmeyer

Porta Vagnu steht für echtes Italien: Feinkost, Olivenöl und Weine von kleinen, familiengeführten Betrieben, die mit Herz und Tradition arbeiten. Produzenten, die ihr Land respektieren, nachhaltig handeln und authentische Qualität liefern. Elke Heselmeyer spürt sie bei ihren Reisen nach Italien auf. Mehrmals im Jahr besucht sie ihre Produzenten, prüft die Qualität und probiert die neue Ernte.

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Bild: Natanael Ginting freepic, Elke Heselmeyer © DNEWS24

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