„Stellen Sie sich vor, Sie steigen in einen kleinen Zug ein, öffnen das Fenster und plötzlich riecht die Luft nach Rosmarin, Myrte und warmem Stein. Willkommen an Bord des Trenino Verde.“
Der Trenino Verde, der „kleine grüne Zug“, gehört zu den schönsten und ursprünglichsten Eisenbahnstrecken Italiens. Anders als moderne Schnellzüge fährt er gemächlich durch das Herz Sardiniens – vorbei an Korkeichen, duftender Macchia, tiefen Schluchten, alten Steinbrücken und kleinen Dörfern, die man mit dem Auto oft gar nicht entdecken würde.
Man öffnet das Fenster, atmet den Duft der wilden Kräuter ein und merkt plötzlich, wie der Alltag Kilometer für Kilometer kleiner wird.
Der Trenino Verde ist keine Bahnverbindung für Eilige.
Er ist eine Einladung, Sardinien mit allen Sinnen zu erleben.
Gerade im Frühjahr und im Herbst, wenn die Temperaturen angenehm sind und das Licht die Landschaft in warme Farben taucht, entfaltet diese Reise ihren ganz besonderen Zauber.
Unterwegs begegnet man Schafherden, alten Bauernhöfen und einer Landschaft, die sich über viele Jahrzehnte kaum verändert hat.
Es ist das ursprüngliche Sardinien:
Still
Ehrlich
Und wunderschön.
Vielleicht liegt genau darin das Geheimnis dieser Bahnstrecken:
Sie bringen uns nicht nur von einem Ort zum anderen. Sie schenken uns Zeit. Zeit zum Schauen. Zum Staunen. Und zum Genießen.
Es gibt mehrere Bahnstrecken, auf denen der Trenino Verde im Einsatz ist. Hier drei Beispiele:
1. Mandas – Arbatax (mein Favorit)
Wenn man mich fragen würde, welche Strecke ich als Erstes empfehlen würde, wäre es diese.
Sie beginnt in Mandas, etwa eine Stunde nördlich von Cagliari, und führt quer durch das wilde Herz Sardiniens bis an die Ostküste nach Arbatax.
Unterwegs fährt der Zug durch dichte Wälder, vorbei an Korkeichen, über beeindruckende Viadukte und durch kleine Bergdörfer wie Laconi, Aritzo und Seui.
Am Ende wartet das Meer. Diese Strecke zeigt Sardinien von seiner ursprünglichsten Seite.
2. Macomer – Bosa
Diese Verbindung ist deutlich kürzer, aber landschaftlich wunderschön.
Von Macomer geht es langsam hinunter Richtung Westen bis in das malerische Küstenstädtchen Bosa, das mit seinen bunten Häusern und der Burg Malaspina zu den schönsten Orten Sardiniens gehört.
Wer Meer und Geschichte miteinander verbinden möchte, wird diese Strecke lieben.
3. Tempio Pausania – Palau
Im Norden Sardiniens verkehrt der Trenino Verde zwischen Tempio Pausania und Palau.
Hier wechseln sich Granitfelsen, Korkeichenwälder und immer wieder herrliche Ausblicke auf die Gallura ab.
In Palau angekommen, blickt man hinüber auf den Archipel von La Maddalena – ein wunderbarer Ausgangspunkt für einen weiteren Ausflug.
Der Trenino Verde ist keine klassische Bahnlinie mit täglichem Pendlerverkehr. Die historischen Züge verkehren vor allem in den wärmeren Monaten als touristische Erlebniszüge. Es lohnt sich deshalb, die Fahrpläne bereits vor der Reise anzuschauen.
Wenn man mich fragt, welche der drei Strecken die schönste ist, dann antworte ich: diejenige, für die Sie sich Zeit nehmen. Denn genau darum geht es beim Trenino Verde. Nicht möglichst schnell anzukommen. Sondern Sardinien mit jedem Kilometer ein kleines bisschen mehr kennenzulernen.
Und was wäre Sardinien ohne seine Küche?
Nach einer solchen Zugfahrt darf natürlich auch etwas Typisches auf den Teller. Heute bereiten wir Culurgiones, Sardiniens kunstvoll gefüllte Teigtaschen zu. Diese kunstvoll verschlossenen Teigtaschen gehören zu den bekanntesten Spezialitäten Sardiniens.
Gefüllt werden sie traditionell mit Kartoffeln, Pecorino, Minze und bestem Olivenöl extra vergine.
Allein der kunstvoll geflochtene Verschluss zeigt, mit wie viel Liebe dieses Gericht zubereitet wird.
Serviert werden die Culurgiones meist mit einer einfachen Tomatensauce, etwas geriebenem Pecorino und frischer Minze.
Mehr braucht es nicht. Denn gute Zutaten sprechen für sich.
Für den Pstateig
Für die Füllung
Zum Servieren
Kartoffeln vorbereiten
Die Kartoffeln mit Schale kochen, anschließend pellen und noch warm durch eine Kartoffelpresse drücken oder fein zerstampfen.
Etwas abkühlen lassen.
Die Füllung herstellen
Den geriebenen Pecorino, das Olivenöl und die fein gehackte Minze unter die Kartoffeln mischen.
Mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer abschmecken. Die Masse sollte schön würzig sein.
Anschließend vollständig auskühlen lassen.
Den Pastateig zubereiten
Hartweizengrieß mit Salz vermischen. Nach und nach das Wasser und das Olivenöl hinzufügen.
Alles zu einem glatten, elastischen Teig verkneten.
Den Teig mindestens 30 Minuten ruhen lassen.
Teig ausrollen
Den Teig dünn ausrollen (ca. 2 mm). Mit einem Glas oder Ausstecher Kreise von etwa 8–10 cm Durchmesser ausstechen.
Füllen
Jeweils einen kleinen Esslöffel der Kartoffelmasse in die Mitte geben.
Nun kommt der schönste und auch gleichzeitig der schwierigste Teil:
Die Culurgiones werden nicht einfach zugeklappt.
Sie erhalten ihren typischen, geflochtenen Verschluss, der an eine Weizenähre erinnert.
Dazu werden die Teigränder Stück für Stück von beiden Seiten zur Mitte hin übereinandergelegt und fest angedrückt.
Beim ersten Versuch braucht man vielleicht etwas Geduld – aber genau diese kunstvolle Form macht den besonderen Charme der Culurgiones aus.
Tipp von mir: Wenn Sie die typische Verschlusstechnik der Culurgiones gerne lernen möchten, empfehle ich Ihnen das Video von Serena. Auch ich habe mir die Technik bei Serena abgeschaut. Sie erklärt wunderbar verständlich, wie aus einem einfachen Teigkreis dieses kleine kulinarische Kunstwerk entsteht.
Kochen
Reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Die Culurgiones hineingeben. Das Wasser immer in Bewegung halten. Wenn alle Culurgiones an der Oberfläche sind, sind sie gar (dauert etwa 3-5 Mi-nuten) und können mit einer Schaumkelle vorsichtig herausgehoben werden.
Servieren
Mit einer einfachen Tomatensauce anrichten und mit frisch geriebenem Pecorino bestreuen.
Einige Minzblätter darübergeben.
Wer möchte, rundet das Gericht mit einem kleinen Schuss bestem Olivenöl extra vergine ab.
Übrigens: Auf Sardinien werden Culurgiones oft gemeinsam zubereitet. Während einer den Teig ausrollt, bereitet der nächste die Füllung vor, und die geschicktesten Hände verschließen die klei-nen Teigtaschen zu den typischen Ähren. Genau so wird aus einem einfachen Gericht ein Stück gelebter Gemeinschaft.“
Natürlich passt am besten auch ein sardischer Wein, es sollte ein Vermentino sein. Ich selber würde dazu einen Vermentino di Gallura DOCG genießen. Er stammt aus dem Nordosten Sardiniens, aus der Gallura – einer Region, die von Granitfelsen, duftender Macchia und der Nähe zum Meer geprägt ist.
Der Vermentino di Gallura ist übrigens der einzige DOCG-Weißwein Sardiniens. Seine feine Mineralität, die frische Säure und seine eleganten Zitrus- und Kräuternoten spiegeln die Landschaft wider, aus der er stammt.
Für mich gehört er zu den spannendsten Weißweinen Italiens. Er verbindet Frische mit Charakter und passt hervorragend zu den Culurgiones, aber natürlich auch zu Fischgerichten oder einfach zu einem lauen Sommerabend auf der Terrasse.
„Immer wenn ich einen Vermentino di Gallura im Glas habe, denke ich an den Nordosten Sardiniens – an die Granitfelsen, den Duft der Macchia und das glitzernde Meer. Genau das macht Wein für mich aus: Er erzählt Geschichten.“
Wer Italien wirklich kennenlernen möchte, sollte sich nicht immer für den schnellsten Weg entscheiden.
Manchmal genügt ein langsamer Zug, ein geöffnetes Fenster und der Mut, sich einfach treiben zu lassen.
Denn genau dort entstehen oft die schönsten Erinnerungen.
Buon appetito und bleiben Sie gesund!
Porta Vagnu steht für echtes Italien: Feinkost, Olivenöl und Weine von kleinen, familiengeführten Betrieben, die mit Herz und Tradition arbeiten. Produzenten, die ihr Land respektieren, nachhaltig handeln und authentische Qualität liefern. Elke Heselmeyer spürt sie bei ihren Reisen nach Italien auf. Mehrmals im Jahr besucht sie ihre Produzenten, prüft die Qualität und probiert die neue Ernte.
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Bild: Natanael Ginting freepic, Elke Heselmeyer © DNEWS24
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