Italian Secrets: L’Aquila – Italienische Kulturhauptstadt 2026
Und schon sind wir mitten drin. Für die erste richtige Ausgabe des neuen Jahres habe ich ein, wie ich finde, sehr spannendes Thema ausgewählt: eine Kulturhauptstadt im Wandel.
Für 2026 wurde L’Aquila, die Hauptstadt der Region Abruzzen, offiziell zur Italienischen Kulturhauptstadt ernannt – eine Entscheidung, die nicht nur kulturell, sondern auch gesellschaftlich und historisch von großer Bedeutung ist.
L’Aquila liegt im Herzen des italienischen Apennin und ist geprägt von einer bewegten Geschichte, imposanter Architektur und einer tief verwurzelten kulturellen Identität. Die Ernennung erfolgt am 15. Jahrestag (6. April 2009) des verheerenden Erdbebens von 2009, das große Teile der Stadt zerstörte. Viele Einwohner sehen diesen Titel als Chan-ce, den sozialen Zusammenhalt und die kulturelle Erneuerung voranzutreiben und den Wiederaufbau des Gemeinschaftsgefüges zu stärken.
Ein kultureller Neustart
Das Projekt „L’Aquila Multiverse City“ kombiniert sozioökonomische Ziele mit künstlerischer Vision und orientiert sich an vier zentralen Achsen der europäischen Kulturagenda:
– Soziale Kohäsion
– Gesundheit und Wohlbefinden
– Kreativität und Innovation
– Nachhaltigkeit
So soll L’Aquila nicht nur seine Vergangenheit ehren, sondern auch als Leuchtturm für kulturelle Vielfalt und Zukunftsentwicklung im italienischen Kontext gelten.
Kunst, Geschichte und überraschende Entdeckungen
Die Stadt bietet ein reiches kulturelles Angebot:
Die Basilica di Santa Maria di Collemaggio mit ihrer markanten Fassade ist weltbekannt.
Die Fontana delle Novantanove Cannelle (Brunnen mit 99 Wasserspeiern) symbolisiert die Verbindung vieler kleiner Gemeinschaften.
Museen, historische Kirchen und moderne Ausstellungen machen L’Aquila zu einem lebendigen Zentrum für Kunst, Musik, Architektur und kulturelle Diskussion.
Diese Mischung aus Tradition, Wiederaufbau und Innovation macht L’Aquila zu einer besonders spannenden Kulturhauptstadt – weit über die Grenzen Italiens hinaus.
Bevor wir uns nun dem Rezept der Woche widmen, erst noch ein paar Hintergrundinformationen zum verheerenden Erdbeben von 2009:
Dieses Erdbeben zerstörte große Teile der historischen Altstadt, darunter zahlreiche historische Gebäude, Kirchen, Kulturdenkmäler und rund 60.000 Wohngebäude, machte Tausende obdachlos und forderte über 300 Menschenleben. Besonders betroffen waren auch umliegende Dörfer wie Onna, wo fast alle Bauten beschädigt wurden.
Zerstörte Gebäude und Infrastruktur:
- Historische Altstadt: Das Zentrum der Stadt wurde stark beschädigt, viele Bauten stürzten ein oder wurden unbewohnbar.
- Kirchen: Viele Kirchen wurden zerstört, darunter die Kuppel des Doms, dessen Wiederaufbau erst Jahre später begann.
- Kulturschätze: Wertvolle historische und kulturelle Gebäude erlitten schwere Schäden.
- Wohngebäude: Rund 60.000 Gebäude wurden beschädigt oder zerstört, was zu massiver Obdachlosigkeit führte.
Auswirkungen:
- Todesopfer: 308 Menschen starben, über 1600 wurden verletzt.
- Obdachlose: Tausende Menschen verloren ihr Zuhause.
- Langwieriger Wiederaufbau: Die Wiederherstellung der Stadt und ihrer Bausubstanz dauert bis heute an, verzögert durch Bürokratie und andere Krisen.
Das Beben legte eine „Lücke in der Mitte“ der Stadt, deren Folgen bis heute sichtbar sind und die das Leben der Einwohner nachhaltig verändert hat.
Doch nun zum Rezept der Woche – Arrosticini abruzzesi
Als kulinarische Hommage an die Abruzzen stelle ich heute ein typisches Gericht aus dieser Region vor: Arrosticini – aromatische Lammspieße, die traditionell über offenem Feuer gegrillt werden.
Zutaten (für 4 Personen)
- 800 g Lammfleisch (Schulter oder Nacken)
- 12–16 Bambusspieße (oder spezielle forchette)
- Olivenöl extra vergine – erhältlich bei Porta Vagnu
- Grobes Meersalz
- Frisch gemahlener Pfeffer
- Einige Rosmarinzweige
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Fleisch vorbereiten: das Fleisch in gleichmäßige Stücke schneiden, nicht zu klein (ca. 2–3 cm).
- Spieße bestücken: jeweils 3–4 Fleischwürfel dicht auf die Spieße aufreihen, dabei kleine Lücken lassen, damit die Hitze gut zirkulieren kann.
- Würzen: mit grobem Meersalz und frisch gemahlenem Pfeffer bestreuen.
- Grillen: traditionell werden Arrosticini über glühender Holzkohle gegrillt – natürlich geht es alternativ auch auf dem Grill oder in einer Grillpfanne: Gleichmäßig rundum braten, bis das Fleisch außen knusprig und innen zart ist.
- Servieren: mit einem Schuss Olivenöl und frischem Rosmarin servieren. Dazu passt klassisch knuspriges Brot.
Weinempfehlung
Zum kräftigen, aromatischen Lamm passt hervorragend ein Montepulciano d’Abruzzo, den es auch bei Porta Vagnu gibt.
Er besticht durch:
– dunkle Frucht
– eine würzige Struktur sowie
– weiche Tannine
Ein Wein, der den rustikalen Charakter dieses Gerichtes wunderbar ergänzt.
Fazit
L’Aquila als Kulturhauptstadt 2026 steht für Neuanfang und kulturelle Vielfalt – eine Stadt, die Geschichte würdigt und gleichzeitig mutig in die Zukunft blickt. Auch kulinarisch spiegelt sich die Vielfalt Italiens wider: Arrosticini abruzzesi sind ebenso Teil dieser reichen Tradition wie die Geschichten und Menschen, die sie leben.
Buon appetito und bleiben Sie gesund!