Heute geht es mit dem Zug von Reggio Calabria entlang der Costa Viola in Richtung Scilla und Bagnara Calabra.
Dabei erleben wir Kalabrien einmal aus einer ganz anderen Perspektive: Das Meer liegt direkt neben den Gleisen, kleine Küstenorte ziehen vorbei, steile Hänge fallen zum Wasser ab, und immer wieder eröffnet sich der Blick über den Stretto di Messina bis hinüber nach Sizilien.
Die Costa Viola gehört zu den eindrucksvollsten Küstenlandschaften Kalabriens.
Ihren Namen verdankt sie den besonderen Lichtstimmungen, die das Meer vor allem bei Sonnen-untergang violett erscheinen lassen können.
Die Landschaft ist geprägt vom Kontrast zwischen Meer und Bergen. Die kalabrische Küste ist hier teilweise schroff und steil, während kleine Orte eng zwischen Felsen und Wasser liegen.
Wer mit dem Zug unterwegs ist, erlebt diese Landschaft ganz unmittelbar.
Kein Parkplatz, keine Suche nach der richtigen Straße, kein ständiges Anhalten.
Man sitzt einfach da und lässt Kalabrien vorbeiziehen.
Und genau das macht für mich den besonderen Reiz einer solchen Reise aus.
Ein besonderer Halt beziehungsweise Blickfang auf dieser Strecke ist Scilla.
Der Ort gehört zu den bekanntesten Küstenorten Kalabriens und ist nicht nur wegen seiner Lage am Meer berühmt.
Scilla ist eng mit der griechischen Mythologie verbunden: Hier soll einst das sagenhafte Seeungeheuer Skylla gelebt haben, das Odysseus auf seiner Reise begegnete.
Doch heute ist Scilla natürlich vor allem eines: ein wunderschöner Küstenort mit einer langen Fischereitradition. Besonders eng ist der Ort mit dem Schwertfischfang verbunden. Schwertfisch – eine Tradition der kalabrischen Küste. Der Schwertfisch gehört zu den kulinarischen Wahrzeichen dieser Küste. Vor allem in Scilla und Bagnara Calabra hat der traditionelle Schwertfischfang eine lange Geschichte.
Gefangen wurde der Fisch traditionell von besonderen Booten aus, den sogenannten feluche. Von einem erhöhten Ausguck aus wurde nach den Tieren Ausschau gehalten, während ein langer Steg mit Harpune dazu diente, den Fisch zu fangen.
Diese traditionelle Fangtechnik ist weit mehr als eine alte Methode des Fischfangs. Sie gehört zur Geschichte und Identität der Menschen, die seit Generationen mit dem Meer leben.
Und genau das ist es, was ich an Reisen durch Italien so liebe: Man entdeckt nicht nur Landschaften. Man entdeckt Geschichten.
Unsere Zugreise führt weiter nach Bagnara Calabra, ebenfalls ein Ort, der eng mit dem Meer und dem Schwertfisch verbunden ist.
Hier wird deutlich, wie sehr die Küche einer Region von ihrer Landschaft geprägt
Wo das Meer vor der Haustür liegt, findet man den Fisch natürlich auch auf den Tellern.
Und so kommen wir langsam zu unserer kulinarischen Belohnung nach dieser Reise.
Denn wenn wir schon gedanklich an der kalabrischen Küste unterwegs sind, darf natürlich auch die passende Pasta nicht fehlen.
Meine persönliche Verbindung zu Kalabrien: Für mich gehört zu Kalabrien ganz besonders eine Pasta: Fileja.
Ich durfte während einer Reise durch Kalabrien selbst erleben, wie diese typische Pasta hergestellt wird.
Und das ist eine dieser Erinnerungen, die bleiben. Mehl und Teig an den Händen, die kleinen Teig-stücke und schließlich die charakteristisch gedrehte Form der Fileja.
Man kann so etwas natürlich fotografieren. Aber manchmal braucht man gar kein Foto.
Man erinnert sich einfach.
Und genau deshalb ist Fileja für mich nicht irgendeine Pasta. Sie verbindet für mich ein Gericht mit einer Reise, mit Menschen und mit einem ganz persönlichen Stück Kalabrien.
Nach unserer Zugfahrt entlang der Küste holen wir uns Kalabrien schließlich auf den Teller.
Fileja mit Schwertfisch – Die Kombination aus der typisch kalabrischen Pasta und dem Fisch der Costa Viola passt für mich perfekt zu dieser Folge.
Schwertfisch vorbereiten
Das Schwertfischfilet von Haut und Gräten befreien und in etwa 2 cm große Würfel schneiden.
Tomaten vorbereiten
Die Kirschtomaten waschen und halbieren.
Knoblauch schälen und leicht andrücken. Die Chilischote fein schneiden.
Die Sauce ansetzen
Das Olivenöl in einer großen Pfanne erhitzen.
Knoblauch und Peperoncino darin vorsichtig erwärmen, bis das Öl aromatisiert ist. Der Knoblauch sollte dabei nicht dunkel werden.
Die Kirschtomaten dazugeben, leicht salzen und einige Minuten bei mittlerer Hitze schmoren las-sen.
Die Fileja kochen
Währenddessen reichlich Salzwasser zum Kochen bringen und die Fileja nach Packungsangabe al dente kochen.
Etwas Nudelwasser auffangen.
Die Schwertfischwürfel zur Tomatensauce geben
und nur wenige Minuten mitgaren. Der Fisch sollte gerade durchgegart sein, aber saftig bleiben.
Pasta und Sauce verbinden
Die Fileja abgießen und direkt zur Sauce geben. Alles vorsichtig vermengen. Bei Bedarf etwas Nudelwasser hinzufügen, damit sich Sauce und Pasta schön miteinander verbinden.
Zum Schluss die Pfanne vom Herd nehmen. Frisches Basilikum und etwas fein abgeriebene Zitronenschale hinzufügen. Wer möchte, kann noch einen kleinen Spritzer Zitronensaft ergänzen.
Noch einmal vorsichtig durchschwenken und sofort servieren.
Dazu passt natürlich ein Weißwein: ich empfehle einen Wein der Region, nämlich von der Cantine de Luca den Primula IGP Bianco.
Dieser Weißwein passt wunderbar zum Schwertfisch und bringt die mediterranen Aromen des Gerichtes schön zur Geltung.
Für mich ist das die perfekte Verbindung: Kalabrien im Zugfenster – Kalabrien auf dem Teller – Kalabrien im Glas.
Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Arten, Italien zu entdecken.
Ein wichtiger persönlicher Bestandteil dieser Folge ist die Fileja.
Ich durfte in Kalabrien selbst an einem Workshop teilnehmen und lernen, wie diese typische kalabrische Pasta hergestellt wird.
Der Teig wird traditionell aus einfachen Zutaten hergestellt und anschließend um einen dünnen Stab gewickelt, sodass die charakteristische Form entsteht.
Diese Erfahrung möchte ich in der Folge erzählen und zeigen, denn sie macht das Rezept für mich zu mehr als nur einer Kochanleitung.
Ich habe die Pasta nicht einfach aus einem Kochbuch kennengelernt – ich durfte sie vor Ort selbst herstellen.
So verbindet die Folge Reise, persönliche Erfahrung, regionale Geschichte, Kulinarik und Wein miteinander.
Buon appetito und bleiben Sie gesund!
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Bild: Natanael Ginting freepic, Elke Heselmeyer © DNEWS24
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