Italian Secrets: Das Marino Wine Festival
Heute möchte ich etwas wirklich Außergewöhnliches teilen. Wir begeben uns nach Marino, einen kleinen Ort mit etwa 46.000 Einwohnern und ca. 20 km süd-östlich von Rom gelegen. Hier wird immer am 1. Sonntag im Oktober das Marino Wine Festival gefeiert. Doch was ist so besonders an diesem Festival, an dieser „Sagra dell‘Uva“?
Ins Leben gerufen im Jahre 1925, vom Dichter Leone Ciprelli, wird die Sagra dell’Uva seitdem jedes Jahr am ersten Sonntag im Oktober in Marino gefeiert – eine Tradition, die historische Ereignisse, religiöse Rituale und vergnügliche Volksfeste wunderbar verbindet.
Der Festtermin erinnert zugleich an die Schlacht von Lepanto (1571) und die Verehrung der Madonna del Rosario, deren Feier am 7. Oktober seit jeher fest im Kalender verankert ist.
Das „Wunder“ der Weinbrunnen
Der wohl ikonischste Moment: Wenn für etwa eine Stunde die Brunnen (u. a. die Brunnen der Vier Mauren) statt Wasser Wein spucken – meistens weiß und frisch – und Gäste diesen frei verkosten dürfen.
Pro Jahr werden bis zu 5.000 Liter Wein in die öffentlichen Brunnen geleitet – ein Fest der Fülle und des Zusammenkommens.
Festprogramm – historisch & lebendig
Prozession am Morgen: Religiöse Feier zu Ehren der Madonna del Rosario, mit vielen Kindern und einer heiligen Messe.
Historischer Umzug am Nachmittag: Schauspieler:innen in Kostümen inszenieren den tri-umphalen Einzug des Admirals Marcantonio Colonna nach Lepanto.
Musik, Gaukler & Marktstände: Stimmen, Gerüche und Kostbarkeiten der Region – lokale Spezialitäten wie porchetta, Trauben, Säfte, sowie handwerkliche Besonderheiten
Kindervergnügen & Spiele sowie eine Sagretta am Montag – kleineres, aber feines Nachspiel des gesamten Spektakels.
Feuerwerk der Sinne in den Castelli Romani
Marino, malerisch auf den Albaner Hügeln gelegen, entfaltet sich zu dieser Zeit als lebendige Bühne – Straßen, Plätze und Balkone sind geschmückt, ein Duft von Wein, Essen und Herbst liegt in der Luft.
Typische Weine der Region wie der Marino DOC (aus Malvasia und Trebbiano) werden verkostet – ideal zu den lokalen Spezialitäten im Herbst.
Marino (Lazio) ist eine charmante Ortschaft, malerisch eingebettet in die Castelli Romani.
Es besteht die Möglichkeit, in Rom zu übernachten und von dort für einen Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Marino zu reisen:
Direktzug ab Rom (Roma Termini)
Mit Trenitalia erreicht ihr die Station Marino Laziale in etwa 34 Minuten, bei den schnellsten Verbindungen sogar in nur 27 Minuten. Die Züge fahren regelmäßig: es gibt rund 17 direkte Verbindungen pro Tag. Die Kosten liegen bei etwa 3–5 € pro Fahrt.
Alternative via Bus & Regionalbahn
Eine etwas günstigere, aber langsamere Option: Zug von Roma Termini nach Capannelle, dann mit einem Regionalbus weiter nach Marino. Das dauert insgesamt etwa 1 Stunde und kostet zwischen 2–5 €.
Wer es allerdings gerne malerischer hat, der sucht sich eine Übernachtungsmöglichkeit in Marino. Der kleine Ort bietet eine gute Auswahl an Übernachtungsmöglichkeiten – von Hotels über Ferienwohnungen bis hin zu charmanten B&Bs.
Hotels & B&Bs
o LH Hotel Domus Caesari: Panorama-Ausblick und zentrale Lage
o Le Anfore Marino: Gutes Preis-Leistung-Verhältnis (ab ~49 €) und hervorragende Bewertungen.
Ferienwohnungen & Apartments
o Ecco Marino Casa Vacanze: Geräumig mit Küche, Balkon, sehr gute Bewertung
o Airbnb & Cozycozy-Optionen: Zahlreiche Häuser und Studios mitten im historischen Zentrum oder in ruhiger Lage mit Garten, einige mit guter Anbindung an die Bahn.
Wer sich für eine Unterkunft in Marino entscheidet, sollte bis Rom fliegen und dort am Flughafen einen Mietwagen nehmen: So ist man unabhängig und flexibel, kann auch noch Ausflüge in die Umgebung von Marino machen: Ganz in der Nähe ist der Lago Albano mit Seebädern, Stränden; es gibt Burgen, die man besichtigen kann – Möglichkeiten über Möglichkeiten.
Wenn wir nun während des Marino Wine Festivals durch den Ort schlendern, vielleicht aus einem der Brunnen den köstlichen Wein verkosten, überkommt uns irgendwann auch der Hunger. Und natürlich möchten wir etwas für diese Gegend absolut Typisches probieren.
Ein besonders typisches und köstliches Gericht, das man beim Marino Wine Festival unbedingt probieren sollte, ist die Porchetta – ein absoluter Klassiker der Region Lazio!
Bei der Sagra dell’Uva ist Porchetta allgegenwärtig – saftiges Spanferkel, aromatisch gewürzt mit Kräutern wie Rosmarin und Knoblauch, langsam und schonend im Ofen oder über offenem Feuer gegart. Das Ergebnis: zarte, würzige Fleischscheiben mit knuspriger Haut, meist serviert im wei-chen Brot als köstliches Streetfood: Porchetta – Streetfood mit Seele.
Porchetta ist nicht nur ein fester kulinarischer Begleiter auf Volksfesten, sondern trägt als Produkt traditionsreicher Metzgerkunst auch den offiziellen Status eines „Prodotto Agroalimentare Tradizionale“ (PAT), als besondere Spezialität aus Mittelitalien.
Warum Porchetta beim Festival besonders empfehlenswert ist:
- Perfekter Kontrast zum Weinfluss: Die saftige, würzige Porchetta wirkt als idealer Gegenpol zum frisch aus den Brunnen fließenden Wein.
- Herzhafter Genuss to go: Einfach zu essen, sättigend und voller Geschmack – ideal, um durch die Altstadt zu schlendern.
- Tradition trifft Sinneserlebnis: Porchetta repräsentiert die Verbindung von Geschichte, Gemeinschaft und Festlaune – genau das, was das Festival einzigartig macht.
Doch die Region Lazio hat noch viel mehr zu bieten als Porchetta. Da hätten wir zum Beispiel „Pandorato“, ein pikantes Brot aus der Pfanne. Oder „gefüllte Reiskroketten“. Auch der Klassiker „Spaghetti alla carbonara“ ist ein typisches Gericht der Region Lazio. „Penne all’arrabbiata“, „Tonno con i piselli“ sowie „Saltimbocca alla romana” haben ihren Ursprung ebenfalls hier, und nicht zu vergessen die „Crostata di visciole“, ein wunderbarer Kirschkuchen, kommt auch aus
dieser Region.
Wenn wir auf dem Festival sind, verzehren wir natürlich – wie es sich geziemt – eine Porchetta. Doch was wollen wir uns zubereiten, wenn wir diese Möglichkeit nicht haben? Wieder etwas, das nicht so aufwendig und in der Zubereitung sehr einfach, aber trotzdem richtig lecker ist. Wie wäre es also mit „Pandorato“?
Für sechs Portionen benötigen wir:
50 g roher Schinken in dünnen Scheiben
150 g Mozzarella
12 Basilikumblättchen
6 eingelegte Sardellenfilets
400 g Kastenweißbrot vom Vortag
1/8 l Milch
2 Eier
2 EL Mehl
Olivenöl zum Braten (gibt es bei Porta Vagnu; z. B. Dea Carolea aus Kalabrien)
Salz und Pfeffer aus der Mühle
Zubereitung
Das Weißbrot entrinden. Im Abstand von ca. 1 cm einschneiden, dabei den ersten Schnitt nur bis knapp vor den unteren Rand führen, beim zweiten Schnitt die Brotscheibe abtrennen: so ergeben sich 6 zusammenhängende Doppelscheiben.
Den Mozzarella in sechs Scheiben schneiden und in jedes Brot eine Scheibe legen. Die eine Hälfte der Brote zusätzlich mit 1-2 Scheiben Schinken füllen. Die Sardellenfilets abspülen, mit Kü-chenkrepp abtrocknen und jeweils ein Filet in die Brote ohne Schinken legen.
Die gefüllten Brote nun fest zusammendrücken und in der Milch wenden. Dann rundum mit Mehl bestäuben und auf eine tiefe Platte legen.
In einem Teller die Eier verquirlen, salzen und pfeffern. Nun die Eiermasse über die Brote gießen und ca. 15 Minuten durchziehen lassen, einmal wenden.
In einer Pfanne reichlich Öl erhitzen und die Brote bei mittlerer Hitze von beiden Seiten goldbraun backen.
Auf einem Küchenkrepp gut abtropfen lassen; die Brote diagonal halbieren und jeweils zwei verschieden gefüllte Hälften zusammen anrichten und mit Basilikumblättchen garnieren.
Dazu trinke ich sehr gerne einen Prosecco bzw. Spumante von Biasiotto.
Buon appetito und bleiben Sie gesund!