Italian Secrets: Colletta di Castelbianco – Das digitale Bergdorf
Mit unserer heutigen Ausgabe statten wir der schönen Region Ligurien mal wieder einen Besuch ab: Wir begeben uns in das kleine Bergdorf Colletta di Castelbianco, welches man schon aufgegeben hatte. Doch was war passiert?
Colletta di Castelbianco, ein kleines, mittelalterliches und pittoreskes Dorf in den Bergen in der Provinz von Savona, blickt auf eine sehr lange Geschichte zurück. Es entstand im 13. Jahrhundert als befestigter Weiler und wurde nach einem verheerenden Erdbeben von 1887 über viele Jahre hinweg nahezu verlassen.
Die Vision der Wiederbelebung
Nachdem Colletta in den 1950er Jahren aufgegeben worden war – die Anzahl der Bewohner schrumpfte, das Dorf war quasi dem Verfall geweiht – startete Ende der 1980er Jahre ein visionäres Projekt einer Investorengruppe unter Federführung des renommierten Architekten Giancarlo De Carlo. Sein Ziel: die historische Struktur des Dorfes bewahren und gleichzeitig zeitgemäße Nutzung ermöglichen. Durch diese Maßnahme wollte man dem Dorf wieder zu altem Glanz und zu neuen Einwohnern zu verhelfen.
Mit Sensibilität für Materialien, Farbtöne, kleine Details – aber eben auch mit Highspeed-Internet für jede Wohnung – entstand ein Ort, der Tradition und Innovation meisterlich vereint.
Erste digitale Gemeinschaft Italiens – das „Borgo Telematico“
Colletta wurde zum ersten „villaggio telematico“ in Italien – ein Modell dafür, wie man ländliche Räume revitalisiert, ohne das moderne Leben auszuschließen. Vollständig mit Glasfaser-Internet ausgestattet, wurde das Dorf zum Refugium für Smart Worker, Studierende, Kreative – ein Arbeits- und Lebensort zwischen Natur und digitaler Welt ist so entstanden.
Nachhaltigkeit & Gemeinschaft
Colletta lebt vom Konzept der „ospitalità diffusa“ (verteilte Gastfreundschaft): Historische Steinhäuser wurden liebevoll restauriert und dienen heute als Unterkünfte mit Hotelkomfort – ideal für Reisende, die Authentizität suchen. Die Initiative erhielt u. a. eine Banderina Verde von Legambiente – als Vorbild für nachhaltigen Tourismus.
Kultur, Natur & Genießen
Der Ort ist kein Museum, sondern lebendiger Dreh- und Angelpunkt: Traditionelles Handwerk, eine kleine Piazza mit Bar („A’Butega“), Festivals, Architektur- und Olivenfeste prägen das Gemeinschaftsleben. Wanderrouten führen über duftende Kiefernhänge, zu Bergpfaden, aber auch zur Olivenernte, Honigproduktion oder heimischer Bierinnovation – ein Ort für Entschleu-nigung und kreative Energie.
Und: Die Fraktion Colletta ist Mitglied der Vereinigung I borghi più belli d’Italia (Die schönsten Orte Italiens).
Kommen wir nun zur Küche. Auch hier in Ligurien hat die Küche des Hinterlands ihren ganz eigenen, charmanten Charakter. Einige der typisch regionalen Spezialitäten sind:
Kulinarische Spezialitäten rund um Castelbianco (Ligurien)
Coniglio alla Ligure (ligurischer Kaninchenbraten)
Ein traditionelles Fleischgericht aus dem westlichen Ligurien. Der Kaninchenbraten wird mit Zwiebeln, Rosmarin, Thymian, Sellerie und Walnüssen zusammen mit Taggiasca-Oliven zubereitet und mit einem Schuss Wein abgelöscht. Kern des Geschmacks: rustikal, aromatisch, heimisch.
Farinata & Panissa
Diese schmackhaften Snacks basieren auf Kichererbsenmehl. Farinata ist eine Art dünner Pfannkuchen, gebacken mit Olivenöl und Rosmarin. Panissa wird aus derselben Basis hergestellt, aber frittiert. Ein echter Ligurischer Street Food-Klassiker, der auch im Hinterland sehr beliebt ist.
Ciuppìn – Ligurische Fischsuppe
Diese einfache Fischsuppe, ursprünglich von Fischern der Küste erfunden, findet man auch in Küstenregionen Liguriens. Mit verschiedenen Fischsorten, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Wein und serviert mit geröstetem Brot – ein wärmend-herzhaftes Gericht.
Herbstliche Spezialitäten: Castagnaccio & Kastanienprodukte
In den ländlichen Regionen Liguriens, besonders den Bergdörfern, spielt die Kastanie eine große Rolle. Klassisch ist der Castagnaccio, ein rustikaler Kastanienkuchen mit Rosmarin, Nüssen und Rosinen – würzig und aromatisch, perfekt für herbstliche Abende.
Wir zaubern heute ein Stück ligurische Tradition auf unseren Teller:
Pansotti mit Walnusssoße (Salsa di Noci)
Wer durch die engen Gassen von Liguriens Bergdörfern schlendert, wird schnell merken: Hier ist die Küche tief verwurzelt in der Natur. Pansotti alla Salsa di Noci sind das beste Beispiel dafür. Die zarten Teigtaschen werden traditionell mit einer Mischung aus Wildkräutern, dem sogenannten prebuggiun, gefüllt und mit einer cremigen Walnusssoße serviert – ein Gericht, das die Einfachheit der Region mit unvergleichlicher Raffinesse verbindet. Jeder Bissen schmeckt nach Geschichte, Landschaft und ligurischer Lebensart.
Zutaten (für 4 Personen)
Für den Teig
- 300 g Weizenmehl (Type 405 oder 550)
- 2 Eier
- 1 EL Olivenöl
- Prise Salz
Für die Füllung (traditionell „prebuggiun“ – eine Mischung aus Wildkräutern)
- 250 g Mangold oder Spinat (alternativ auch ein Mix mit Löwenzahn oder Borretsch, wenn verfügbar)
- 150 g Ricotta (frisch, am besten Schafsricotta, sonst Kuhmilch)
- 50 g geriebener Parmesan oder Pecorino
- 1 Ei
- Muskatnuss, Salz, Pfeffer
Für die Walnusssoße
- 200 g Walnüsse (geschält)
- 50 g eingeweichtes Weißbrot (ohne Rinde, in Milch oder Wasser eingeweicht und ausgedrückt)
- 1 Knoblauchzehe
- 50 g Parmesan oder Pecorino
- 50 ml Olivenöl extra vergine (gibt es bei Porta Vagnu)
- 50 ml Sahne oder Milch (optional, für Cremigkeit)
- Salz
Zubereitung
- Teig: Mehl auf die Arbeitsfläche geben, Mulde formen, Eier, Olivenöl und Salz hineingeben, von innen nach außen verkneten, bis ein elastischer Teig entsteht. In Folie wickeln, 30 Minuten ruhen lassen.
- Füllung: Mangold oder Spinat waschen, blanchieren, gut ausdrücken und fein hacken. Mit Ricotta, Ei, Käse, Muskat, Salz und Pfeffer zu einer homogenen Masse verrühren.
- Pansotti formen: Teig dünn ausrollen. Quadrate (ca. 6–7 cm) schneiden. In die Mitte jeweils einen Teelöffel Füllung geben. Zu Dreiecken zusammenfalten, Ränder gut andrücken.
- Walnusssoße: Walnüsse mit Knoblauch, eingeweichtem Brot, Käse und Olivenöl im Mixer zu einer cremigen Paste verarbeiten. Mit Salz abschmecken. Nach Bedarf etwas Milch oder Sahne untermixen, damit die Soße glatt und streichfähig wird.
- Kochen & Servieren: Pansotti in reichlich Salzwasser 3–4 Minuten kochen, vorsichtig abgießen. Mit der Walnusssoße vermengen, sofort servieren. Mit frisch geriebenem Käse abrunden.
Klassischerweise würde man hierzu einen ligurischen Wein trinken. Einen Pigato oder Vermentino aus der Region Riviera Ligure di Ponente. Wer gerade keinen zur Hand hat: ein spritziger Frizzante oder ein Lugana passen auch ganz wunderbar.
Buon appetito und bleiben Sie gesund!