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Gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland steigt wieder – trotz niedrigem Gerechtigkeitsempfinden

Der Religionsmonitor 2026 zeigt: Nach Jahren der Krisen verbessert sich der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland spürbar. Soziale Beziehungen und Gemeinwohlorientierung steigen, doch Vertrauen in Regierung und Gerechtigkeitsempfinden bleiben kritisch niedrig.

Der neue Religionsmonitor 2026 der Bertelsmann Stiftung zeigt eine spürbare Erholung des gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland. Nach dem deutlichen Einbruch zwischen 2020 und 2023 steigt der Gesamtindex wieder auf 51 Punkte. „Unsere Daten zeigen, dass sich der gesellschaftliche Zusammenhalt in den vergangenen Jahren verbessert hat. Viele Menschen verfügen über stabile soziale Beziehungen und sind bereit, Verantwortung für andere und das Gemeinwohl zu übernehmen“, sagt Andreas Pinkwart, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung. „Zugleich sehen wir, dass das Verhältnis zwischen Staat und Bürgern deutlich belastet bleibt. Wir brauchen ein neues konstruktives Miteinander. Der Staat braucht das Engagement der Bürger. Aber berechtigte Anliegen der Bürger sind seitens des Staates zu berücksichtigen, Belastungen durch nötige Reformen sind in fairer Weise zu gestalten.“

Soziale Beziehungen und Engagement nehmen zu

Besonders positiv fällt die Entwicklung der sozialen Beziehungen aus. Der Index steigt von 49 Punkten (2023) auf 57 Punkte. Auch die Gemeinwohlorientierung erreicht mit 53 Punkten einen hohen Wert. Immer mehr Menschen engagieren sich freiwillig, und das politische Interesse erreicht mit 65 Punkten sogar einen Höchststand.

Gerechtigkeitsempfinden bleibt auf Tiefpunkt

Trotz dieser Fortschritte bleibt das Gerechtigkeitsempfinden kritisch niedrig. Mit 25 Punkten erreicht es den schlechtesten Wert im gesamten Untersuchungszeitraum. Auch das Vertrauen in die Bundesregierung stagniert bei 37 Punkten.

Religion stärkt Zusammenhalt – aber nicht überall gleich

Der Religionsmonitor untersucht erstmals den Zusammenhang zwischen Religiosität und Zusammenhalt. Menschen mit mittlerer oder hoher Religiosität erreichen höhere Werte im Gesamtindex. „Religion kann soziale Beziehungen festigen, Hilfsbereitschaft fördern und Menschen zum Engagement motivieren. Entscheidend ist dabei offenbar weniger die bloße Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft als die gelebte religiöse Praxis und die soziale Einbindung“, sagt Yasemin El-Menouar, Expertin der Bertelsmann Stiftung für Religion und Zusammenhalt. „Religiosität ist damit auch in einer zunehmend säkularen Gesellschaft eine relevante soziale Ressource.“

Doch das Potenzial religiöser Bindung wirkt nicht in allen Gemeinschaften gleich. Während christliche Befragte mit zunehmender Religiosität höhere Zusammenhaltswerte erreichen, zeigt sich bei muslimischen Befragten ein differenziertes Bild: Soziale Beziehungen und Gemeinwohlorientierung steigen, die Verbundenheit mit dem Gemeinwesen sinkt jedoch deutlich – von 46 Punkten auf nur 28 Punkte bei Hochreligiösen.

Was Politik und Gesellschaft jetzt brauchen

Um Vertrauen und Zusammenhalt weiter zu stärken, empfiehlt die Studie:

  • mehr Transparenz staatlicher Entscheidungen,
  • frühere und wirksame Bürgerbeteiligung,
  • dauerhafte Förderung sozialer Orte wie Nachbarschaftszentren, Bibliotheken, Kultur- und Jugendzentren sowie religiöse Gemeinden.

Diese Orte schaffen Begegnung, Austausch und ein Gefühl von Zugehörigkeit – gerade für ältere Menschen und unterschiedliche soziale Milieus.

Bild: Gemini KI © DNEWS24

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