Mit Superlativen soll man sparsam umgehen, sonst nutzen sie sich ab. Das Halbfinal-Spiel der Champions League von Paris St. Germain gegen den FC Bayern München in der französischen Hauptstadt war aber vielleicht genau das, was viele Kommentatoren sagen und schreiben und viele Fans glauben: das beste Spiel seit ewig langer Zeit, wenn nicht überhaupt.
Dabei lagen beide Vereine vor nicht allzu langer Zeit in Trümmern. Bayern erlebte eine total titellose Saison und erntete Spott oder schlimmer noch, Mitleid. Dann übernahm 2024 der Belgier Vincent Kompany und sein Trainer-Stab an der Säbener Straße in München. Der FCB wandelte sein Gesicht, aus dem Kader wuchs ein Team, das spielt und kämpft. Niemand scheint sich für etwas zu schade zu sein. Der Super-Goalgetter Harry Kane holt sich die Bälle am eigenen Strafraum ab und verteilt sie zielsicher, wie einst Toni Kroos. Ähnlich stellt sich die Lage beim Club im Westen von Paris dar. Der finanziell auf Scheich-Rosen gebettete Verein investierte aus dem Vollen, mit Messi, Neymar und Mbappé sollten nur die Besten bei PSG Titel holen und Fans anlocken. Beides misslang. Weder entwickelte sich bei PSG eine Fan-Kultur, noch konnten namhafte Titel erspielt werden. Dann kam 2023 der Spanier Luis Enrique und baute ohne Mbappé, Messi und Neymar ein Winner-Team. PSG verteidigt, presst und stürmt, dass es eine Freude ist.
Beide Trainer brauchten zwei Jahre und keine Kommissionen, bis sich der Erfolg einstellte. Sie analysierten das einstudierte Spiel und den vorhandenen Kader und bauten beide nach ihren Vorstellungen um. Dabei mussten sie sich mit den gewählten Verantwortlichen im Verein abstimmen und auch die Fans überzeugen.
In wenigen Tagen wird Friedrich Merz ein Jahr Bundeskanzler sein. Hat er den Koalitions-Kader zu einem erfolgreichen Team geschmiedet? Hat er seinen Spielplan, seine Reformagenda umgesetzt? Hat er das Volk mitgenommen und überzeugt?
Diese Fragen sind mit einem klaren nein zu beantworten. Deutschland, seinen Bürgern, geht es schlechter, jeden Tag noch ein bisschen schlechter. Friedrich Merz fallen dazu die immer gleichen Erklärungen ein. Die Verantwortlichen (also seine Koalitionäre, die SPD und die CSU, aber auch die Junge Gruppe und weitere Renegaten) wollen nicht so, wie er will. Und erst die Gegner, es gibt ja so viele starke Gegner (also Krisen), mit denen nicht zu rechnen war. Wer die Champions League (der Politik) gewinnen will, muss aber jeden Gegner schlagen, jede Krise erfolgreich meistern. Sich immer nur zu beklagen, ist nicht sexy.
Es kommt noch absurder. Was würden wohl die Fans von einem Club sagen, der zwar keine Titel gewinnt aber die Kosten hochhält und deshalb in finanzielle Problemzonen absteigt? Und dessen Lösung dann eine drastische Erhöhung der Ticketpreise, der Wurst- und Bierpreise im Stadion sowie diverser Merchandising-Artikel im Fan-Shop wäre? Genau das macht die Bundesregierung unter Friedrich Merz, Steuern und Abgaben rauf, Leistungen für die, die Steuern zahlen, runter. Für die, die keine Steuern zahlen, ändert sich nichts, Stichwort „soziale Gerechtigkeit“.
Friedrich Merz und seine Getreuen brauchen sich nicht zu wundern, warum das Ansehen des Bundeskanzlers schlechter ist als das von Olaf Scholz zu der Zeit, als die Ampel nur noch flackerte. Im Politikerranking, das INSA in dieser Woche für die Bild erfragte, rutschte Merz mit nur noch 28,9 Punkten von Rang 18 auf die letzte Position 20 ab. Lediglich zehn Prozent der Befragten vergeben dem Regierungschef positive Bewertungen zwischen acht und zehn Punkten. Demgegenüber stehen 58 Prozent, die Merz mit null bis vier Punkten abstrafen. Bei Anhängern von CDU und CSU erreicht Merz nur noch Platz fünf mit 55,1 Punkten.
Für einen amtierenden Bundeskanzler sind das politisch vernichtende Werte
Selbst der US-Präsident Donald Trump hat deutlich bessere Zustimmungswerte als Merz.
In dieser Woche wurden ein paar Fakten bekannt. Das Wirtschaftswachstum fällt geringer aus, als noch vor drei Monaten angenommen, die Inflation steigt, der Stellenabbau in den Unternehmen beschleunigt sich, die geplante Schuldenaufnahme zur Finanzierung des aufgeblähten Bundeshaushaltes explodiert, die Geburtenrate ist auf dem niedrigsten Stand der Nachkriegszeit angekommen.
Inzwischen führt die AfD bei der sogenannten Sonntagsfrage mit 4 Prozentpunkten vor der Union. Neuwahlen sind also für die Merz-Union keine Alternative. Will sie weiterregieren, bliebe nur eine weitere Öffnung nach links, die aber weder allzu viele Unionswähler begrüßen und die auch nicht unser Land voranbringen würde. Zudem bleibt sehr zweifelhaft, ob die AfD, sollte die Union die Brandmauer einreißen, überhaupt genügend qualifiziertes Personal aufbrächte, um die ihr dann zustehenden Posten zu besetzen.
Derweil beginnen Teile der Merz-Koalition zu meutern. Dirk Wiese, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, forderte seine Fraktionskollegen auf, wesentliche Eckpunkte der eben erst von der Bundesregierung beschlossenen Gesundheitsreform zu revidieren, Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion Matthias Miersch sprach Friedrich Merz in dieser Woche glatt die Regierungsfähigkeit ab. Die Co-Vorsitzende der SPD und Bundesarbeitsministerin, Bärbel Bas, nannte Merz-Äußerungen zum ausufernden Sozialstaat menschenverachtend. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann und Unions-Fraktionschef Jens Spahn forderten umfassende Reformen noch vor der Sommerpause. Christian Freiherr von Stetten, CDU-Bundestagsabgeordneter und Chef des mächtigen Parlamentskreises Mittelstand (PKM) der Unions-Fraktion rechnet nicht damit, dass die Merz-Regierung volle vier Jahre Bestand haben wird. Der frühere Kanzleramtsminister Peter Altmaier von der CDU befürchtet sogar eine Staatskrise.
Das sind alles Aussichten zum Abbruch des Spiels…
Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus Europa.
Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa ist eine unabhängige Initiative, die die Interessen der Generation 50Plus in Europa vertritt. Der BVI50PLUS ist im Transparency Register der Europäischen Union eingetragen.
Der Sitz des BVI50PLUS ist Wien. Die Stadt ist nicht nur ein Sitz der Vereinten Nationen und die Hauptstadt Österreichs, sondern auch eine der lebenswertesten Städte der Welt.
Bis 1996 hat Müller mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gewohnt. Nach zwei Jahren im Ausland lebt er heute in Bayern.
Uwe-Matthias Müller kommt auch heute noch oft und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit genießt man nur die Vorzüge der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten, unter denen die ansässigen Bewohner täglich leiden, einfach ignorieren.“
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