Es stimmt. Blickt man in die Medien, erhält man das Bild einer Welt, die aus den Fugen geraten ist. Im Sudan und vielen anderen – angeblich – armen Ländern verhungern Kinder, weil korrupte Warlords sich mehr um ihr eigenes, als das Wohl der von ihnen Beherrschten kümmern. Im Kongo sterben Menschen an einer schrecklichen Ebola-Seuche. In Venezuela zerstören zwei heftige Erdbeben Leben und materielle Sicherheit. Im Gaza-Streifen, Nordisrael, Libanon und im Westjordanland sterben täglich Menschen im Krieg. Sicherheit und Ruhe gibt es für viele Bürger im Nahen Osten nicht. Im Iran verliert eine Supermacht einen Krieg, den ihr Präsident Trump – warum auch immer – selbst angezettelt hat. Viele Bürger des Irans haben Leben, Heim und Hoffnung verloren. Benzin- und Soldatenmangel hindern den senilen Diktator im Kreml-Bunker nicht daran, jeden Tag Menschen in der Ukraine zu töten, die nur ihr Leben genießen wollen und die der Irre von der Moskwa doch angeblich befreien will.
Und so könnte die Beschreibung der multiplen Welt-Krisen lange und detailliert weitergehen.
Es gibt aber auch Störfaktoren vor der eigenen Tür, die leichter zu lösen sind, als die angeblich große Politik mit ihren weltweiten Schockwellen.
So haben in dieser Woche Wissenschaftler und drei verhältnismäßig unbekannte und junge Politiker einer Rentenkommission der Bundesregierung 33 Handlungsempfehlungen vorgelegt, die die Rente wieder sicher machen sollen. Wird dieses Gesamtkunstwerk umgesetzt, werden unsere Kinder es im Alter einmal besser haben, als wir heute.
In Hamburg tut sich was bei einer der traditionsreichen und besonders feinen Privatbanken. Offenbar hat der Vorstand an der vornehmen Außenalster nicht so fein gehandelt, wie es sich für einen ehrbaren Kaufmann geziemt. Jedenfalls sieht das die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht offenbar so und hat den alten Vorstand abgesetzt und einen neuen Vorstand eingesetzt. Hier handelt die Bafin mal schneller als zum Beispiel bei Wirecard.
Die Bundesbahn stellt den Betrieb ein, weil das Kommunikationssystem ausgefallen ist. Bundesweit rollt keine Achse mehr, abends stehen die Reisenden in großer Hitze und bekommen keine Informationen, ob, wann und wie es für sie weitergeht. Die allermeisten nehmen es gelassen. Ist es Gewöhnung, Fatalismus oder eine DB-Abart des Stockholm-Syndroms?
In vielen Städten führen Vermüllung und Verwahrlosung zu einem Stadtbild, das viele Bürger erschreckt. So greifen sie selbst zu Müllsack und Schippe und beseitigen den Dreck ihrer rücksichtslosen Mitbürger. Die aktuelle Sommerhitze ist für alle Menschen belastend, vor allem für Kinder und Ältere. Aber auch Straßenbäume freuen sich über jeden Anlieger, der Eimer oder Gießkanne füllt und mit dem segensreichen Nass die Pflanzen hegt. Viele Menschen beweisen Gemeinsinn, kümmern sich an diesen heißen Tagen um Angehörige, Freunde und Nachbarn. Zusammenhalt ist in einer so zerrissenen Gesellschaft besonders wichtig. Es macht Mut, wie viele Bürger sich engagieren.
Die deutsche Nationalmannschaft, die neuerdings auch in blauen Trikots spielt – etwa ein Corporate-Design-Kotau vor der blauen AfD? – steht zwar im Sechszehntelfinale der FIFA-WM in Nordamerika, konnte aber in keiner der bisher drei Partien restlos überzeugen. Es könnte also gut sein, dass unsere Jungs in dieser Form nicht zum dritten Mal in Folge bei einer WM im Achtelfinale ausscheiden, sondern an einem noch früheren Turnierpunkt, den es bisher jedoch nie gab. Bei aller Enttäuschung, dass der neue Sponsor Nike dann keinen fünften WM-Stern auf überteuerte Trikots flocken kann, bleibt die Freude, dass Biergärten wieder ihrer ursprünglichen Bestimmung zugeführt werden können, weil sie nicht länger Public Viewing-Arenen sein müssen. Und: wir können endlich ausschlafen.
Ach so, kühler soll es auch werden. Also alles gut – oder?
Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus Europa.
Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa ist eine unabhängige Initiative, die die Interessen der Generation 50Plus in Europa vertritt. Der BVI50PLUS ist im Transparency Register der Europäischen Union eingetragen.
Der Sitz des BVI50PLUS ist Wien. Die Stadt ist nicht nur ein Sitz der Vereinten Nationen und die Hauptstadt Österreichs, sondern auch eine der lebenswertesten Städte der Welt.
Bis 1996 hat Müller mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gewohnt. Nach zwei Jahren im Ausland lebt er heute in Bayern.
Uwe-Matthias Müller kommt auch heute noch oft und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit genießt man nur die Vorzüge der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten, unter denen die ansässigen Bewohner täglich leiden, einfach ignorieren.“
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