„Vertrauen ist der Anfang von allem.“
So warb die Deutsche Bank von 1995 bis 1997 für sich. 2013 eröffnete die größte Bank in Deutschland für den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bis zu 40 Konten.
Im März 2005 erstatteten die Eltern eines vierzehnjährigen Mädchens im US-Bundesstaat Florida Anzeige gegen Jeffrey Epstein. Sie warfen ihm vor, in seiner Villa in Palm Beach sexuelle Gewalt gegen ihre Tochter ausgeübt zu haben. Die Anzeige löste eine rund dreizehnmonatige Ermittlungsphase aus, in deren Verlauf sich mehr als 50 weitere mutmaßliche Opfer bei der Polizei meldeten. Bei einer Durchsuchung des Epstein-Anwesens stießen die Ermittler zudem auf zahlreiche Fotografien minderjähriger Mädchen.
Im August 2006 musste sich Epstein zunächst in einem einzigen Fall – dem Vorwurf, eine Minderjährige zur Prostitution gezwungen zu haben – vor einer Grand Jury im Palm Beach County verantworten. Er plädierte auf nicht schuldig. Bereits einen Monat zuvor hatte das FBI eigene Ermittlungen aufgenommen und die Ergebnisse in einem 53‑seitigen Bericht dokumentiert.
Um einem Verfahren vor einem Bundesgericht wegen sexueller Gewalt an Minderjährigen und der damit verbundenen Möglichkeit einer lebenslangen Freiheitsstrafe zu entgehen, bot Epstein der von U.S. Attorney Alexander Acosta geführten Staatsanwaltschaft in Miami eine außergerichtliche Einigung an. Die Staatsanwaltschaft akzeptierte den Deal. Epstein musste sich lediglich in einem einzigen Fall der erzwungenen Prostitution einer Minderjährigen schuldig bekennen – obwohl die Faktenlage rechtlich einer Vergewaltigung entsprach. Durch die Vereinbarung wurden die Anklagen wegen Menschenhandels zum Zweck sexueller Ausbeutung auf Bundesebene fallengelassen. Gleichzeitig endeten die FBI-Ermittlungen, die möglicherweise weitere Opfer hätten identifizieren können.
Im Jahr 2008 wurde Epstein zu einer 18‑monatigen Haftstrafe verurteilt, die unter ungewöhnlich milden Bedingungen vollzogen wurde. Nach nur 13 Monaten wurde er wegen guter Führung entlassen. Auch nach seiner Haftentlassung geriet Epstein erneut wegen ähnlicher Vorwürfe ins Visier von Polizei und Justiz. 5 Jahre nach seiner Verurteilung wurde Epstein VIP-Kunde der Deutschen Bank. Die Geschäftsbeziehung dauerte von 2013 bis 2018.
Die Deutsche Bank zahlte bislang 150 Millionen US-Dollar Strafe wegen mangelhafter Überwachung der Epstein-Konten an das Department of Financial Services des US-Bundesstaates New York und weitere 75 Millionen Dollar Entschädigung an die Opfer von Jeffrey Epstein.
„Vertrauen ist der Anfang von allem.“ Wessen Vertrauen meinte die Deutsche Bank, als sie ihren Slogan in den Markt schob?
Die Frankfurter Bank mit ihren Welt-Großbank-Phantasien ist dabei nur ein Beispiel für Gier und Verblendung, das Institutionen, Royals, Manager, Wissenschaftler und Politiker erfasste, wenn sie mit Jeffrey Epstein netzwerken durften. (Wenn die Menschen nicht sogar noch viel bösere und abgrundtief verwerfliche Absichten verfolgten.).
Die Frage muss doch sein, nicht – wie wahr das möglich? Sondern: warum hat irgendjemand nach der Verurteilung von Epstein, nach dem FBI-Bericht und dem unfassbaren Justiz-Deal noch mit Epstein geredet, gefeiert (oder schlimmeres)? Alle Namen in den Epstein-Files, die nach 2008 auftauchen, sind kompromittiert. Jedes Treffen mit dem verurteilten Sexualstraftäter nach 2008 ist kompromittierend.
Das Problem, ja, das PROBLEM ist: der Fall Epstein betrifft in den USA Demokraten und Republikaner, er betrifft wohlhabende und Mega-Reiche, er betrifft Männer und Frauen. Er betrifft die Elite eines Landes, dem die eigenen Bürger aus den Flyover Countries des mittleren Westens, die Rednecks aus dem Süden und die Arbeiter aus dem Rust Belt des Nordens sowieso misstrauen.
Und damit wird der Fall des Jeffrey Epstein endgültig zur Misstrauenskrise in den USA. Es geht nicht mehr nur um Main Street gegen Wall Street oder blau (Demokraten) gegen rot (Republikaner), jetzt geht es um wir da unten gegen ihr da oben.
So beginnen Revolutionen.
Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus Europa.
Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa ist eine unabhängige Initiative, die die Interessen der Generation 50Plus in Europa vertritt. Der BVI50PLUS ist im Transparency Register der Europäischen Union eingetragen.
Der Sitz des BVI50PLUS ist Wien. Die Stadt ist nicht nur ein Sitz der Vereinten Nationen und die Hauptstadt Österreichs, sondern auch eine der lebenswertesten Städte der Welt.
Bis 1996 hat Müller mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gewohnt. Nach zwei Jahren im Ausland lebt er heute in Bayern.
Uwe-Matthias Müller kommt auch heute noch oft und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit genießt man nur die Vorzüge der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten, unter denen die ansässigen Bewohner täglich leiden, einfach ignorieren.“
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