Gedankenmacher: Keine Chips, keine Kinder
Sachsen-Anhalt wird kein Hightech-Standort, sondern bleibt die graue Demografie-Maus unter den deutschen Bundesländern.
In Eulenberg, einem Industriegebiet von Magdeburg, sollte auf einer Fläche, die 630 Fußballfeldern entspricht, für 30 Milliarden Euro eine Chip-Fabrik entstehen, die Produkte sowohl für Intel als auch für Kunden der Intel Foundry Services fertigt. Von 3.000 hochqualifizierten Arbeitsplätzen war die Rede, als der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der damalige Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) Intel Subventionen in Höhe von 10 Milliarden Euro versprachen. Neben der Fabrik sollten Wohnungen, Kitas, Schulen und Nahversorgungs-Infrastruktur entstehen. Sachsen-Anhalt und seine Landeshauptstadt Magdeburg träumten von einem Schub, neuer und nachhaltiger Kaufkraft mit Sogwirkung.
Es war ein schöner Traum. Jetzt ist der Traum ausgeträumt. Intel ist selbst mit 10 Milliarden Euro nicht nach Magdeburg zu locken. Denn Intel hat Probleme, weil wichtige Trends und Märkte verschlafen wurden. Das hat nichts mit dem Standort Magdeburg oder den zugesagten Subventionen zu tun. Intel braucht einfach im Moment keine neue Fabrik, Intel braucht Abfindungsprogramme um bis zu 25 Prozent seiner weltweiten Belegschaft abzubauen. Und Intel braucht dringend Ideen, um Quartalsverluste wie zuletzt 3 Milliarden US-Dollar, künftig zu vermeiden. Da nützt eine zusätzliche Produktion von Halbleitern, für die es keine Nachfrage gibt, nichts.
Das ist bitter.
Gedankenmacher im DNEWS24Podcast
Das ist besonders bitter für das kleine und strukturschwache Bundesland Sachsen-Anhalt. Es hätte den erträumten Innovations- und Bevölkerungsschub sehr gut gebrauchen können.
Die Einwohnerzahl Sachsen-Anhalts ist in den vergangenen 20 Jahren um fast 21 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig nimmt der Altersdurchschnitt kontinuierlich zu. Das Land zwischen Berlin und Hannover hat ein massives demografisches Problem, das durch die Ansiedlung von Intel zumindest zu einem Teil hätte gemildert werden können.
Jetzt heißt es in Sachsen-Anhalt wieder kleine(re) Brötchen zu backen und den lokalen und regionalen Mittelstand zu fördern. Jetzt geht es nicht um riesige Leuchtturm-Projekte sondern um wirtschaftspolitische Kärrnerarbeit in Dessau, Halberstadt, Gardelegen und Stendal. Nur wenn die erkennbar gelingt, wird Sachsen-Anhalt vom aussterbenden Altersheim der Republik zum Magneten für qualifizierte Menschen, die etwas erreichen wollen.
So kann der geplatzte Intel-Traum zur Chance für Magdeburg und das ganze Bundesland Sachsen-Anhalt werden.
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