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Gedankenmacher: Erfahrung zählt – außer im deutschen Arbeitsmarkt

Politik und Sport setzen auf Routiniers: Warken, Linnemann, Klopp. Doch viele Unternehmen sortieren Menschen über fünfzig aus. Was macht das mit einer Generation – und was könnten Arbeitgeber von Politik und Sport lernen?

Es ist eine bemerkenswerte Woche: Im Bundeskabinett übernehmen mit Nina Warken und Carsten Linnemann zwei erfahrene Politiker neue Schlüsselrollen. Und der Deutsche Fußball-Bund setzt mit Jürgen Klopp auf einen Bundestrainer, der nicht nur Expertise, sondern auch Lebens- und Führungs­erfahrung mitbringt.

In Politik und Sport gilt: Wer viel erlebt hat, trifft bessere Entscheidungen.

Im deutschen Arbeitsmarkt dagegen sieht die Realität oft anders aus. Menschen über fünfzig werden aussortiert, bevor sie überhaupt zeigen können, was sie können. Bewerbungen bleiben unbeantwortet, interne Weiterbildungen gehen an ihnen vorbei, Karrierepfade enden abrupt. Nicht wegen mangelnder Kompetenz – sondern wegen eines hartnäckigen Vorurteils: „Zu alt, zu teuer, zu wenig digital.“

Was macht das mit einer Generation, die Deutschland über Jahrzehnte getragen hat?

Es macht sie unsicher. Es macht sie leise. Und es macht sie wütend.

Denn wer mit über fünfzig plötzlich das Gefühl bekommt, nicht mehr gebraucht zu werden, verliert nicht nur berufliche Perspektiven, sondern auch ein Stück Identität. Arbeit ist für viele Menschen mehr als Einkommen – sie ist Teil des Selbstwerts, Teil der gesellschaftlichen Zugehörigkeit.

Dabei zeigt der Blick auf Politik und Sport, wie absurd diese Haltung ist.

Erfahrung ist kein Risiko. Erfahrung ist ein Wettbewerbsvorteil.

Sie bedeutet: Krisen kennen. Menschen verstehen. Verantwortung tragen können. Entscheidungen einordnen. Fehler nicht wiederholen. Genau das, was Unternehmen heute dringend brauchen.

Was können Arbeitgeber also lernen?

Mut zur Erfahrung: Nicht nur junge Talente entwickeln, sondern auch die Routiniers, die den Laden zusammenhalten.

Gemischte Teams stärken: Erfolgreiche Mannschaften bestehen nie nur aus Nachwuchs. Sie brauchen Führungsspieler.

Karriere neu denken: Auch mit fünfzig kann man noch wachsen, wechseln, führen, gestalten.

Wertschätzung zeigen: Wer Menschen das Gefühl gibt, gebraucht zu werden, bekommt Loyalität, Stabilität und Qualität zurück.

Vielleicht ist es Zeit, dass Unternehmen sich eine einfache Frage stellen: Wenn Politik und Sport auf Menschen setzen, die mitten im Leben stehen – warum sollten wir im Arbeitsmarkt auf sie verzichten?

Die Antwort liegt auf der Hand: Deutschland wird älter. Und wer die Älteren ignoriert, ignoriert seine Zukunft.

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Der Gedankenmacher

Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus Europa.

Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa ist eine unabhängige Initiative, die die Interessen der Generation 50Plus in Europa vertritt. Der BVI50PLUS ist im Transparency Register der Europäischen Union eingetragen.

Der Sitz des BVI50PLUS ist Wien. Die Stadt ist nicht nur ein Sitz der Vereinten Nationen und die Hauptstadt Österreichs, sondern auch eine der lebenswertesten Städte der Welt.

Bis 1996 hat Müller mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gewohnt. Nach zwei Jahren im Ausland lebt er heute in Bayern.

Uwe-Matthias Müller kommt auch heute noch oft und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit genießt man nur die Vorzüge der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten, unter denen die ansässigen Bewohner täglich leiden, einfach ignorieren.“

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Bild: © DNEWS24

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