Das Vertrauen in die Fähigkeit des Staates, seine vielfältigen Aufgaben und Probleme erfüllen bzw. lösen zu können, ist in diesem Jahr nochmals deutlich zurückgegangen und erreicht mit nur noch 17 Prozent einen neuen Tiefststand. 79 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger meinen mittlerweile, der Staat sei angesichts der Fülle seiner Aufgaben und Probleme überfordert.
dbb Bürgerbefragung Öffentlicher Dienst 2026 – Der öffentliche Dienst aus Sicht der Bevölkerung
Die Zahlen, die der dbb-Bundesvorsitzende Volker Geyer am Donnerstag in Berlin vorstellte, zeigen, dass die Regierungs-Koalition die unbeliebteste ist, die es in Deutschland jemals nach 1949 gegeben hat.
Die Staatsquote in Deutschland lag zuletzt bei 49,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das bedeutet, dass der deutsche Staat fast die Hälfte der gesamten wirtschaftlichen Leistung aller Bürger und Unternehmen für öffentliche Aufgaben ausgibt. Der Wert beruht auf Zahlen des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden und liegt damit über dem EU-Durchschnitt von 49,2 Prozent. Der Öffentliche Gesamthaushalt (Bund, Länder, Gemeinden und Gemeindeverbände sowie Sozialversicherung einschließlich aller Extrahaushalte) war beim nicht-öffentlichen Bereich zum Jahresende 2025 mit 2.662,2 Milliarden Euro verschuldet. Wie ebenfalls das Statistische Bundesamt (Destatis) nach endgültigen Ergebnissen weiter mitteilt, entspricht dies einer Pro-Kopf-Verschuldung – Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren – in Deutschland von 31.887 Euro. Ganz unabhängig von jedem Schufa-Score und unabhängig davon, ob das der Einzelne will oder nicht. Das waren 1.821 Euro oder 6,1 % mehr als Ende 2024. Die öffentliche Verschuldung insgesamt stieg zum Jahresende 2025 um 6,0 % (151,4 Milliarden Euro) gegenüber dem Vorjahr.
Und doch: die Infrastruktur in Deutschland verfällt weiter. Obwohl die Deutsche Bahn Hochfrequenz-Strecken monatelang für Generalsanierungen komplett sperrt, installiert sie dort nicht das moderne Streckenleitsystem ETCS. Geht nicht, dauert zu lange, machen wir später… In Bonn wird eine der wichtigsten Rhein-Autobahnen gesperrt, weil eine Auffahrt-Rampe marode ist. Statt die notdürftig zu reparieren, wird eine der wichtigsten Auto-Verbindungen im Westen Deutschlands bis in die 2030er-Jahre komplett dichtgemacht. Diese Aufzählung könnte leider noch seitenlang so weitergehen.
Wie kann das sein, wenn doch der Staat von jedem Euro des Bürgers 49 Cent bekommt und – weil der Staat mit dem Geld nicht ordentlich haushaltet – die Staatsschulden zusätzlich noch exorbitant steigen? Da stimmt etwas nicht, sagen sich alle die Bürger, die sich entweder an andere Zeiten erinnern können oder einen Vergleich zu Staaten ziehen, in denen die Bürger nicht ganzjährig ausgenommen werden wie Ende Dezember eine Weihnachtsgans.
Eine Regierung und die sie tragenden Parteien haben keine Existenz-Berechtigung, wenn sie ihre Phantasie ausschließlich darin erschöpfen, neue Wege zu finden, den Bürgern immer mehr Geld abzuknöpfen. Statt zu überlegen, wie man mit dem vorhandenen Geld das Beste für das Volk tun könnte.
Bundeskanzler Friedrich Merz wird übrigens nicht müde, von den Bürgern zu verlangen, dass sie mehr arbeiten. Die Mehrarbeit würde dann ja auch zu Mehreinnahmen des Staates führen, ob sich Mehrarbeit für die Bürger finanziell lohnt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Vielleicht wäre es ja auch eine Idee gewesen, mal die eigenen Leute zu mehr Arbeit aufzufordern. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages haben im Juli und August sitzungsfreie Zeit, also Sommerpause. Und auch sonst tagen die selbsternannten Volkvertreter an den 60 bis 70 Sitzungstagen im Jahr nicht von früh bis spät. Es gibt etliche Wochen im Jahr, in denen sie gar nicht in Berlin sind und wenn, dann tagt das Plenum meist nur von Mittwochmittag bis Freitagnachmittag. Die Entschädigung (Diät) eines Mitglieds des Deutschen Bundestages (MdB) beträgt 11.833,47 Euro brutto. Pro Monat.
Da kann sich jeder selbst die Frage beantworten, ob die da in Mitte Diener des Volkes oder was sonst sind.
Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus Europa.
Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa ist eine unabhängige Initiative, die die Interessen der Generation 50Plus in Europa vertritt. Der BVI50PLUS ist im Transparency Register der Europäischen Union eingetragen.
Der Sitz des BVI50PLUS ist Wien. Die Stadt ist nicht nur ein Sitz der Vereinten Nationen und die Hauptstadt Österreichs, sondern auch eine der lebenswertesten Städte der Welt.
Bis 1996 hat Müller mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gewohnt. Nach zwei Jahren im Ausland lebt er heute in Bayern.
Uwe-Matthias Müller kommt auch heute noch oft und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit genießt man nur die Vorzüge der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten, unter denen die ansässigen Bewohner täglich leiden, einfach ignorieren.“
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