Albert Stegemann ist staatlich geprüfter Landwirtschaftsmeister und Betriebsleiter des ihm gehörenden Milchviehvertriebs. Seit September 2013 ist der gebürtige Nordhorner direkt gewählter Bundestagsabgeordneter der CDU im Wahlkreis 31 (Mittelems). Seit dem 13. Mai 2025 ist Stegemann stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Bundestagsfraktion der CDU/CSU für die Themen Ernährung, Landwirtschaft und Heimat, Gesundheit. Albert Stegemann gibt an, neben seinen Diäten als Bundestagsabgeordneter in Höhe von 11.227 Euro monatlich Nebeneinkünfte in Höhe von 7.851.118 Euro pro Jahr zu erzielen. (Mehr Informationen finden Sie auf der Abgeordneten-Seite des Bundestages).
In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (NOZ) forderte Stegemann jüngst angesichts explodierender Kosten in der Pflege mehr erwachsene Kinder an den Kosten ihrer pflegebedürftigen Eltern zu beteiligen. So will er dazu beitragen „die Einkommensgrenze, bei der man zu den elterlichen Pflegekosten herangezogen wird, herunterzusetzen.“ Der CDU-Bundestagsabgeordnete will zudem das Eigenheim zur Eigenbeteiligung an den Pflegekosten heranziehen. Mit Blick auf Immobilien, die vor einem Pflegefall an die nächste Generation überschrieben werden, sagte Stegemann, die Vermögenssituation werde oft so geregelt, dass Eltern ihr Hab und Gut rechtzeitig verteilten. Das wolle er dem Einzelnen gar nicht vorwerfen, es sei jedoch angewandte Praxis. „Wir müssen an diese Umgehungstatbestände ran – ob beim Eigenheim oder anderem Vermögen“, forderte Albert Stegemann in der NOZ. „Ein Erbenschutzprogramm auf Kosten der Allgemeinheit kann es nicht geben: Wer Vermögen besitzt, muss zunächst eigenes Vermögen einsetzen – auch das Eigenheim – bevor die Gemeinschaft zahlt“, sagte er „Bild“.
Die Stegemann-Forderungen zeigen, wie verschroben „die Leute da drinnen“ (in der Polit-Blase in Berlin-Mitte) auf „die Leute da draußen“ (im wirklichen Leben) schauen. Stegemann verkennt völlig die Realität im deutschen Pflege-Land. 5,7 Millionen Pflegebedürftige gab es in Deutschland zum Jahresende 2023. Etwa ein Drittel der Pflegebedürftigen ist hochbetagt und der Frauenanteil überwiegt. Rund vier von fünf Pflegebedürftigen in Deutschland werden zu Hause versorgt. Meist erfolgt die Pflege durch pflegende Angehörige. Häufig unterstützt sie dabei ein zu bezahlender ambulanter Pflegedienst. Bewohnerinnen und Bewohner in Pflegeheimen machen nur rund ein Fünftel der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland aus.
Während Pflegebedürftige in Pflegeheimen jeden Monat einen durchschnittlichen Eigenanteil ohne Leistungszuschlag in Höhe von 3.875 Euro (Beispiel Bundesland Baden-Württemberg) aufbringen müssen, werden 80 % der Pflegebedürftigen daheim von pflegenden Angehörigen umsorgt und gepflegt. Dafür steht ein Pflegegeld in Höhe von monatlich 347 Euro (Pflegegrad 2) bis zu 990 Euro (Pflegegrad 5) zur Verfügung. Zusätzlich zahlt die Pflegekasse unter bestimmten Bedingungen Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige ein – die künftig nach den Plänen der Bundesgesundheitsministerin Warken (CDU) gekürzt werden sollen.
Diese Zahlen sind vor dem Hintergrund zu bewerten, dass die durchschnittliche gesetzliche Altersrente in Deutschland aktuell bei rund 1.405 Euro für Männer und 955 Euro für Frauen liegt. Der sogenannte Zahlbetrag (der nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung tatsächlich auf dem Rentner-Konto eingeht) unterscheidet sich stark nach Geschlecht und Region.
Und nun führen wir uns noch einmal die Forderung des Albert Stegemann vor Augen: Familien sollen mehr finanziell leisten und auch „Oma ihr klein Häuschen“ versilbern.
Vielleicht ist die hohe Zahl von 1,25 Millionen Fortzügen aus Deutschland allein im Jahr 2025 auch mit der ständigen und entweder mutwilligen oder fahrlässigen Schwächung des deutschen Mittelstandes, der den „Laden hier am Laufen hält“, zu erklären.
Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus Europa.
Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa ist eine unabhängige Initiative, die die Interessen der Generation 50Plus in Europa vertritt. Der BVI50PLUS ist im Transparency Register der Europäischen Union eingetragen.
Der Sitz des BVI50PLUS ist Wien. Die Stadt ist nicht nur ein Sitz der Vereinten Nationen und die Hauptstadt Österreichs, sondern auch eine der lebenswertesten Städte der Welt.
Bis 1996 hat Müller mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gewohnt. Nach zwei Jahren im Ausland lebt er heute in Bayern.
Uwe-Matthias Müller kommt auch heute noch oft und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit genießt man nur die Vorzüge der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten, unter denen die ansässigen Bewohner täglich leiden, einfach ignorieren.“
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