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Gedankenmacher: Deutschland - ein Land der Dachdecker?

Eine Reform der Altersversorgungssysteme ist dringendst notwendig. Die derzeitige ideologiebelastete öffentliche Diskussion über die Lebensarbeitszeit allerdings braucht kein Mensch.

"Wer dem Volk anstrengungslosen Wohlstand verspricht, lädt zu spätrömischer Dekadenz ein." Guido Westerwelle im Jahr 2010

Die Rente ist nicht mehr sicher. Wenn das Umlageverfahren nicht mehr funktioniert, weil die Demografie in Deutschland ist, wie sie ist und jährlich weit mehr als 100 Milliarden Euro Steuergeld in die Finanzierung der Rente gesteckt werden muss, muss auch die Frage nach einer generationengerechten Neu-Regelung der gesetzlichen Rente erlaubt sein.

Wer wirklich grundlegende Rentenreform-Anstrengungen will, der läuft allerdings in den unmittelbaren Shitstorm, den eine ganz große Koalition von den Linken über die SPD bis zum Arbeitnehmerflügel der CDU anbläst. Sofort wird auf die prekäre gesundheitliche Lage der Dachdecker in Deutschland verwiesen. Wer die länger arbeiten lassen wolle, nehme in Kauf, dass die armen Dachdecker reihenweise vom Dach fielen.

Ist Deutschland unmerklich vom Land der Ingenieure zum Land der Dachdecker mutiert? Die Zahlen sprechen für sich. Es gibt über 15.000 Dachdeckerbetriebe in Deutschland. Im Jahr 2022 waren mehr als 64.000 Dachdeckerinnen und Dachdecker, die sich auf diese Betriebe verteilten, tätig. In Deutschland gibt es aber auch etwa 1,6 Millionen Ingenieure, die erwerbstätig sind. Davon sind etwa 1,2 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Großteil der Ingenieure arbeitet in klassischen Ingenieurberufen, aber auch in anderen Bereichen wie Beratung, Lehre oder Management. 

Also: auf jeden Dachdecker kommen mehr als 25 Ingenieure.

Gedankenmacher im DNEWS24Podcast

„Wer in den 1970er Jahren in Pension ging, hat nach 45 Jahren Arbeit im Schnitt zehn bis elf Jahre Rente bezogen, bevor er starb. Für ein Jahr Rente hat er 4,5 Jahre geschuftet. Wer heute in Rente geht bezieht schon nach 40 Jahren sein Altersruhegeld, lebt danach aber mehr als 20 Jahre. Da liegt das Verhältnis bei 2 Jahre Arbeit für ein Jahr Rentenbezug – eine gewaltige Rentenerhöhung, über die keiner spricht. Würden wir das Renteneintrittsalter der tatsächlichen Lebenserwartung anpassen, lägen wir schon jetzt bei 68 bis 69 Jahren.“ Professor Bernd Raffelhüschen, Sozialexperte

Vielleicht können Dachdecker nicht bis 70 auf dem Dach arbeiten. Vielleicht können auch Pflegekräfte und Lehrer nicht bis 70 arbeiten. Für diese und alle anderen Berufsgruppen praktikable Lösungen zu finden – auch dafür sind Politiker gewählt worden.

Wer sich gegen wissenschaftliche Erkenntnisse wehrt, schadet dem System. Ideologie ersetzt eben keine Grundrechenarten. Demagogische Argumentation statt Akzeptanz der Demografie führt uns nicht in eine bessere Zukunft, sondern weiter in die generationenungerechte Sackgasse. 

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Der Autor

Uwe-Matthias Müller ist Gründer und Vorstand des Bundesverband Initiative 50Plus Europa.

Bis 1996 hat er mit seiner Frau und den beiden Töchtern in (West-)Berlin gelebt. Nach zwei Jahren im Ausland lebt er heute in Bayern.

Uwe-Matthias Müller kommt auch heute noch oft und gern nach Berlin. „Als Berliner auf Zeit genießt man nur die Vorzüge der Hauptstadt und kann die vielen Unzulänglichkeiten, unter denen die ansässigen Bewohner täglich leiden, einfach ignorieren.“

Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa ist eine unabhängige Initiative, die die Interessen der Generation 50Plus in Europa vertritt. Der BVI50PLUS im Transparency Register der Europäischen Union eingetragen.

Der Sitz des BVI50PLUS ist Wien. Die Stadt ist nicht nur ein Sitz der Vereinten Nationen und die Hauptstadt Österreichs, sondern auch eine der lebenswertesten Städte der Welt.

Bild: Matt Botsford unsplash, BVI50PLUS EUROPA © DNEWS24

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