Deutschland steuert auf eine deutlich größere Arbeitskräftelücke zu als bisher angenommen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat seine Prognosen korrigiert – und die neuen Zahlen zeichnen ein alarmierendes Bild. Bis zum Jahr 2036 könnten dem deutschen Arbeitsmarkt rund 4,3 Millionen Beschäftigte fehlen. Das sind 1,3 Millionen mehr, als das IW noch vor zwei Jahren erwartet hatte.
Auslöser für die Neubewertung ist eine aktualisierte Bevölkerungsprognose des Statistischen Bundesamts. Sie zeigt, dass der demografische Wandel schneller und stärker durchschlägt: Die geburtenstarken Jahrgänge gehen – zum Teil vorzeitig – in Rente, während gleichzeitig weniger junge Menschen nachrücken. Die Folge ist ein struktureller Rückgang des Arbeitskräfteangebots, der sich kaum noch aufhalten lässt.
Hinzu kommt ein zweiter Faktor, der die Entwicklung verschärft: Die Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften fällt schwächer aus als in früheren Jahren. Nach Einschätzung des IW trägt dazu auch die restriktivere Migrationspolitik der Bundesregierung bei. Gleichzeitig verliert Deutschland an Attraktivität für qualifizierte Fachkräfte aus dem Ausland – nicht zuletzt wegen der anhaltenden wirtschaftlichen Schwäche und langwieriger bürokratischer Verfahren.
Die IW-Forscher fordern deshalb ein entschlossenes Gegensteuern. Neben einer gezielten Anwerbung internationaler Fachkräfte brauche es Maßnahmen, um das inländische Arbeitskräftepotenzial besser auszuschöpfen – etwa durch flexiblere Arbeitszeiten, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder eine stärkere Erwerbsbeteiligung älterer Menschen.
Unklar bleibt in der Studie, welche Rolle technologische Entwicklungen wie die Künstliche Intelligenz künftig spielen könnten. Ob Produktivitätsgewinne den Arbeitskräftemangel zumindest teilweise ausgleichen, wird nicht bewertet. Fest steht jedoch: Ohne politische Weichenstellungen droht Deutschland ein Jahrzehnt mit massiven Engpässen auf dem Arbeitsmarkt – mit weitreichenden Folgen für Wachstum, Wohlstand und soziale Sicherungssysteme.
Bild: Gemini KI © DNEWS24
Kontakt: Redaktion@DNEWS24.EU
Sie können diesen Beitrag einfach teilen, benutzen Sie diese Buttons.