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"Das Rentenpaket ist wirklich unterkomplex - eine Rentenreform ist nötig!"

Die Bundesregierung hat ein Rentenpaket 1 vorgelegt, bevor eine Fachkommission konstituiert ist und Vorschläge für eine umfassende Reform des Rentensystems in Deutschland vorgelegt hat. Dr. Bernhard Kleemann bewertet die einzelnen Aspekte des Rentenpaketes.

Im Interview mit DNEWS24 erläutert der Präsident des Bundesverband Initiative 50Plus Europa Dr. Bernhard Kleemann die Haltung der Interessenvertretung der Generation zum Rentenpaket 1 der Bundesregierung.

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Im Deutschen Bundestag soll am 5.12.2025 das von der Bundesregierung eingebrachte Rentenpaket 1 verabschiedet werden. Wie steht der Bundesverband Initiative 50Plus Europa grundsätzlich zu dem Rentenpaket?

Kleemann
Grundsätzlich ist es sehr zu begrüßen, dass das Rentensystem in den letzten Wochen in der deutschen Öffentlichkeit diskutiert wurde. So wurde jedem Interessierten deutlich, dass die Altersvorsorge dringend reformbedürftig ist. Die einzelnen Punkte des Rentenpaktes 1 lehnen wir allerdings ab.

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Warum das? Die Aktivrente und die Haltelinie kommen doch Älteren direkt zugute?

Kleemann
Vor einer Festschreibung des bestehenden Rentensystems, wie es in wesentlichen Teilen des Rentenpaketes 1 manifestiert wird, hätte die Bundesregierung ein umfassendes Reformprojekt vorlegen sollen. Eine Rentenkommission halten wir für überflüssig, denn die wesentlichen Punkte einer notwendigen Reform der Altersvorsorge in Deutschland sind lange bekannt. Die Arbeit einer Rentenkommission führt nur zu weiteren Verzögerungen und es ist völlig offen, welche Vorschläge der Rentenkommission die Bundesregierung wann umsetzen wird.

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Die Einführung der Aktivrente ist doch aber ein Pluspinkt des Rentenpaketes?

Kleemann
Leider ist das nicht so. Viel wichtiger als ein steuerlicher Anreiz für das Arbeiten im Rentenalter wäre es, dafür zu sorgen, dass mehr ältere Beschäftigte von Unternehmen gefördert werden – sowohl gesundheitlich, Stichwort Prävention, als auch in Sachen Fortbildung. Hier ist noch viel zu tun. Und so wundert es nicht, wenn das IW zu der Einschätzung kommt, dass die Aktivrente teuer wird und die angepeilten Ziele verfehlen wird.

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Und wie steht es mit der Mütterrente?

Kleemann
Hier fehlt ein breiterer Ansatz. Der gesetzliche Anspruch auf einen Kita-Platz wird nicht erfüllt, es fehlen zehntausende von Kita-Plätzen. So bleibt vielen Familien gar nichts anderes übrig, als die Kinderbetreuung zu Lasten eines Elternteiles zu organisieren. Zudem ist von der Mütterrente nicht die familiäre Sorgearbeit z.B. in der häuslichen Pflege erfasst. Hier bedarf es also eines umfassenden Konzeptes, das alle Lebensbereiche in der Familie abbildet.

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Die Fortschreibung der sogenannten Haltelinie ist politisch besonders umstritten.

Kleemann
Das ist gut nachvollziehbar. Die Haltelinie von 48 Prozent ist nach Einschätzung von Wissenschaftlern nicht ausreichend für die Finanzierung des Lebensstandards im Alter. Die Haltelinie ist aber auch nicht vollständig durch das Umlageverfahren zu finanzieren. So steigt der aus Steuermitteln finanzierte Bundeszuschuss von derzeit 120 Milliarden Euro pro Jahr dramatisch weiter an – das ist im Sinne der Generationengerechtigkeit nicht zu akzeptieren.

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Was ist also zu tun?

Kleemann
Das Rentenpaket ist unnütz und teuer. Daher sollte es nicht im Deutschen Bundestag verabschiedet werden. Stattdessen muss die Bundesregierung schnellstens eine grundlegende Reform der gesetzlichen Rentenversicherung und der Beamtenversorgung anpacken. Aktivrente und Rente mit 63 widersprechen sich bis zur Absurdität – beides gehört abgeschafft bzw. nicht eingeführt. Die Frühstartrente ist sinnlos und teuer, solange es kein Konzept für die Finanzbildung junger Menschen gibt. Zudem sind die geplanten staatlichen Beträge viel zu gering, um einen spürbaren Unterschied zu machen. Lebenserwartung, Lebensarbeitszeit und Renteneintrittsalter müssen in Einklang gebracht und dynamisiert werden. Die private Altersvorsorge und die betriebliche Altersvorsorge müssen grundlegend reformiert, kapitalgedeckt und verpflichtend werden.

DNEWS24
Vielen Dank für das Gespräch.

Hintergrund

Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa e.V. ist eine unabhängige Bürger-Bewegung, die die Interessen der Menschen der Generation 50Plus in Europa vertritt. Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa e.V. macht in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft auf die berechtigten Bedürfnisse und die vielfältigen Potentiale der Generation 50Plus aufmerksam.

Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa hat die Konferenz-Reihe Demografie-Debatte begründet. Bürger, Politiker, Verbandsvertreter diskutieren, wie der demografische Wandel gemeistert werden kann.

Eine Reihe von Organisationen und Verbände sind mit dem Bundesverband Initiative 50Plus Europa verbunden.

Der Bundesverband Initiative 50Plus Europa ist im Transparency Register der Europäischen Union eingetragen.

Mehr Informationen: BVI50PLUS.com.

Bildnachweis: Drazen Zigiz freepic © DNEWS24

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