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Buchtipp: "Wir sind hier in einer Mausefalle."

Ein Journalist zwischen Mut und Gefahr: Die Texte und Briefe von Fritz Seemann zeichnen ein eindringliches Bild der 1930er Jahre – vom Aufstieg Hitlers bis zu den verzweifelten Fluchtversuchen vor den Nationalsozialisten.

Fritz Seemann, Redakteur beim Prager Tagblatt und jüdischer Intellektueller der Zwischenkriegszeit, geriet früh in das Visier der Nationalsozialisten. Seine Reportagen aus Deutschland zeigen zunächst Spott über die plumpe NS‑Propaganda, doch schon bald dokumentieren sie die rasante Errichtung der Diktatur und die zunehmende Verfolgung der jüdischen Bevölkerung.

Parallel dazu führt Seemann einen intensiven Briefwechsel mit dem Astronomen Arthur Beer in London. Aus einem privaten Austausch wird eine systematische Suche nach einer Fluchtmöglichkeit – ein Prozess, der durch das Münchner Abkommen 1938 und die Okkupation der Tschechoslowakei 1939 immer dramatischer wird.

Das Buch verbindet Seemanns Zeitungsartikel, Briefe, Fotos und biografische Dokumente zu einem vielschichtigen Porträt eines zweisprachigen Journalisten, der die politischen Erschütterungen der 1930er Jahre hautnah erlebte. Es eröffnet zugleich Innenansichten in die letzten Jahre des Prager Tagblatts und zeigt die verzweifelten Versuche vieler Menschen, den Fängen der Nationalsozialisten zu entkommen. Ein historisch bedeutsames Werk, das die Mechanismen von Propaganda, Verfolgung und Exil eindrucksvoll sichtbar macht.

Details zum Buch
Der Autor

Fritz Seemann (1900–1942) kam aus dem nordböhmischen Reichenberg, heute Liberec. Nach einem Musikstudium in Prag und Erfolgen als Operettenkomponist wurde er 1929 Redakteur beim Prager Tagblatt. Zudem arbeitete er für den Tschechoslowakischen Rundfunk, den Film und in der Werbung. Fritz Seemann starb 1942 im Konzentrationslager Flossenbürg.

Herausgeber

Annette Kraus, geb. 1982, arbeitet für Museen und Medien als Autorin, Lektorin und Übersetzerin. Sie studierte Kulturwissenschaften, Germanistik und Bohemistik in München, Regensburg und Prag.
Veröffentlichung: Carl Schrade: Elf Jahre. Ein Bericht aus deutschen Konzentrationslagern (Mithg., 2014).

Jörg Skriebeleit, geb. 1968, ist Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Honorarprofessor für Vergleichende Kulturwissenschaften an der Universität Regenburg, Gründungsdirektor des Zentrums Erinnerungskultur an der Universität Regensburg.
Arbeitsschwerpunkte und Publikationen u. a. zu: Dark Tourism, Denkmalschutz, Zeitzeugenschaft, NS-Euthanasie.

Bibliografie

Verlag: Wallstein

ISBN: 978-3-8353-6122-5

Seiten: 292

Preis: 28,00 Euro

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