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Buchtipp: Juras letzter Winter

Edgar Selge widmet seinen neuen Roman einem jungen Menschen, der während der Blockade von Leningrad starb – und dessen Tagebuch ihn nicht mehr loslässt. Aus der Begegnung zwischen Erzähler und Tagebuch entsteht eine leise, eindringliche Annäherung an Jugend, Verlust und die Kraft der Erinnerung.

Jura Rjabinkin ist sechzehn Jahre alt, als er während der Blockade Leningrads verhungert. Was bleibt, ist ein Tagebuch – ein schmaler, aber eindrucksvoller Nachlass, der den Erzähler dieses Romans immer wieder anzieht. Je häufiger er darin liest, desto stärker entsteht das Gefühl, dem Jungen nahe zu sein, seine Gedanken zu hören, seine Hoffnungen zu spüren. Jura wird zu einer Figur, die nicht nur erinnert, sondern beinahe gegenwärtig erscheint.

Edgar Selge erzählt von einer Begegnung, die nie stattgefunden hat und dennoch tief berührt. Der Erzähler und der verstorbene Junge treten in einen stillen Dialog, der sich im Laufe der Geschichte verdichtet. Sie sprechen über das Erwachsenwerden, über Träume und Literatur, über Mütter und die Verletzungen, die das Leben hinterlässt. Es ist ein Austausch über Nähe und Fremdheit, über Gewalt und Zärtlichkeit – und über die Frage, wie man sich einem Menschen annähert, den man nur aus Worten kennt.

Selge gelingt es, Jura Rjabinkin ein Denkmal zu setzen, das nicht pathetisch wirkt, sondern lebendig. Sein Ton ist zugleich leicht und von großer Ernsthaftigkeit getragen. Er zeigt, wie Literatur Brücken schlagen kann: zwischen Zeiten, zwischen Lebenswelten, zwischen Menschen, die sich nie begegnet sind. Der Roman ist ein stilles, kraftvolles Buch über Erinnerung und die Verantwortung, die sie mit sich bringt.

Details zum Buch
Der Autor

Edgar Selge, 1948 geboren, wuchs im ostwestfälischen Herford auf. 1975 schloss er seine Schauspielausbildung an der Otto Falckenberg Schule in München ab. Zuvor studierte er Philosophie und Germanistik in München und Dublin sowie klassisches Klavier in Wien. Er gehört zu den bedeutendsten Charakterdarstellern Deutschlands und wurde für seine Arbeit mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. 2021 debütierte er als Schriftsteller mit Hast du uns endlich gefunden. Das Buch stand wochenlang in den Top Ten der Bestsellerliste und wurde von Presse und Publikum hymnisch gefeiert. Es wurde mit dem Literaturpreis der Stadt Fulda sowie dem Bayern-2-Publikumspreis ausgezeichnet. Juras letzter Winter ist sein zweiter Roman.

Bibliografie

Verlag: Rowohlt Hardcover

ISBN: 978-3-498-00344-9

Seiten: 256

Preis: 25,00 Euro

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