Buchtipp: Gott und die Welt
Marie Luise Kaschnitz hinterließ uns ihre wunderbaren erhellenden Aufzeichnungen, die nun zu ihrem 125. Geburtstag unter dem Titel „Gott und die Welt“ erscheinen und ein Frankfurt zeichnen, in dem man gerne zu Hause ist.
„Gott und die Welt“ – nicht mehr und nicht weniger beschäftigt Marie Luise Kaschnitz in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts in ihren Aufzeichnungen. Die anstehenden Stürme der Studentenrevolution und der sich bald formierenden außerparlamentarischen Oppositionen sind in den Gedanken der Dichterin bereits präsent. Ausgangspunkt ist eine drohende Kündigung ihrer Wohnung im Frankfurter Westend, eine damit verbundene existentielle Beunruhigung, in der sie die Stadt erlebt – und so von den Nöten ihrer Bewohner erzählt. Und in denen Themen aufleuchten, die uns heute noch und wieder beschäftigen: die Zukunft der Arbeit, die Bedrohung durch technische Entwicklungen, die Veränderungen in der Natur. Der Lebensmittelpunkt der Kaschnitz ist das sich verändernde Frankfurt, das sie fasziniert und geradezu fesselt. „Ich bin oft genug gefragt worden, warum ich diese hässliche Stadt nicht verlasse, um wie die meisten anderen Schriftsteller in ein hübsches Landhaus zu ziehen …“ – auf diese Frage hatte sie keine Antwort, aber sie blieb.