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Die Reichsbank spielte im Dritten Reich eine zentrale Rolle: Sie finanzierte die Aufrüstung, verwertete geraubtes Vermögen aus ganz Europa und diente sogar als Zwischenlager für das Zahngold der Ermordeten. Trotz dieser tiefen Verstrickung reagierten Deutschlands Zentralbankiers nach 1945 empört, ausweichend oder schlicht ignorant, wenn sie mit den Fakten ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wurden.
Der Band zeigt erstmals umfassend, wie eng die Reichsbank mit dem NS‑Regime kooperierte und wie sich die Institution von einer Hüterin des Goldstandards zu einem technischen Motor der nationalsozialistischen Kriegswirtschaft wandelte. Gleichzeitig beleuchten die Autoren, wie es möglich war, dass die Notenbanken der Nachkriegszeit – oft mit denselben Personen besetzt – nahezu nahtlos zu einer konservativen Geldpolitik zurückfanden, wie sie die Reichsbank vor 1930 geprägt hatte.
Als Auftakt einer neuen Reihe über den Weg von der Reichsbank zur Bundesbank (1924–1970) verbindet der Band Länderstudien über die Aktivitäten der Reichsbank im besetzten Europa mit Längsschnittanalysen zu personellen und konzeptionellen Kontinuitäten. Das Ergebnis ist ein aufrüttelnder Blick auf die Schattenseiten deutscher Geldpolitik und ihre erstaunliche Stabilität über politische Systeme hinweg.
Magnus Brechtken, geb. 1964, ist stellvertretender Direktor des Instituts für Zeitgeschichte in München und apl. Professor an der Universität München. Hervorgetreten mit Arbeiten zur Geschichte der internationalen Beziehungen und zur NS-Herrschaft, erlangte er internationale Bekanntheit durch seine Biographie von Albert Speer.
Albrecht Ritschl, geb. 1959, ist Professor am Economic History Department der London School of Economics. Neben Beiträgen zur Borchardt-Kontroverse über den Untergang der Weimarer Republik sowie zur Natur der NS-Konjunktur und des Nachkriegsaufschwungs wurde er durch seine Untersuchungen zu den Auswirkungen des deutschen Reparationsproblems bekannt.
Verlag: Wallstein
ISBN: 978-3-8353-6047-1
Seiten: 312
Preis: 26,00 Euro
Kontakt: Redaktion@DNEWS24.EU
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