Böllern ist kein Bürgerrecht
Manche lassen es krachen – ohne Rücksicht auf Verluste. Und der Staat guckt zu. Gedankenmacher in DNEWS24.
In den letzten Minuten des alten und ersten Minuten des neuen Jahres jagen die Deutschen etwa 200 Millionen Euro in die Luft. Obwohl Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Deutschen – über 75 % – kein Feuerwerk kauft oder nur wenig Geld dafür ausgibt (bis 50 €), wird der Rest sich weder an Einschränkungen noch Verbote halten. Die Folge: Lärm, Schmutz, Verletzte und viele Einsätze von Blaulicht-Kräften. Dazu kommen überfüllte Notaufnahmen der Krankenhäuser.
Muss das sein? Ist das ein Zeichen von Bürgerfreiheit?
Unsere Nachbarn sehen das anders. In Italien und Frankreich sind private Böllereien verboten und werden streng geahndet: die Bußgelder können bis zu 5.000 Euro betragen. Anstelle privat Geld zu verpulvern treffen sich die Bürger an zentralen Plätzen, auf denen die Gemeinden offizielle Feuerwerke organisieren. Es gibt keine Verletzten, die Zeit des Lärms ist begrenzt und das Ereignis bietet die Möglichkeit zum Schwatz mit Nachbarn und Freunden.
Warum geht das bei uns nicht?
Gedankenmacher im DNEWS24Podcast
Anscheinend ist eine Minderheit der Deutschen weder geistig in der Lage noch moralisch imstande, die Schädlichkeit und Sinnlosigkeit privater Feuerwerke zu erfassen. Einschränkungen und Verbote, wie sie lokal durchaus behördlich angeordnet sind, werden von der Polizei allermeist nicht durchgesetzt. Diese offenkundige Gesetzlosigkeit, mit der ein Jahr endet und ein Jahr beginnt, lässt viele Gutmeinende erschauern. Wenn der Staat schon in diesem kleinen Bereich seine ihm verliehene Macht nicht durchsetzen kann oder will, wie soll das dann im Großen möglich sein? Die Antwort ist für viele Bürger ernüchternd. Da, wo es wehtut, geht der Staat nicht (mehr) hin. Jüngst stand auf der Tagesordnung der Innenministerkonferenz das Thema Pyrotechnik in Fußballstadien. Nach wochenlangen „Fan“-Protesten strichen die kneifenden Innenminister das Thema klammheimlich von der Tagesordnung und kapitulierten vor den Aggro-Ultras, die sich jeden Samstag ungestraft austoben.
Dieser Staat ist reformunwillig. Die Bundesregierung und alle staatlichen Ebenen unter ihr sind reformunfähig, verkrustet, ängstlich und hängen an ihren Pfründen mehr als an der Erfüllung ihres Amtseides.
Keine guten Aussichten für 2026.
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