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Ausstellungstipp: Schwerer Stoff. Frauen – Trachten – Lebensgeschichten

Wörtlich und im übertragenen Sinne zeigt das Museum Europäischer Kulturen Schweren Stoff: 20 Kleiderensembles, die zu den wertvollsten Objekten aus der Textilsammlung des Donauschwäbischen Zentralmuseums gehören.

Plissierte Röcke und Verzierungen, Kunstseide und Samt, poppige Farben auf goldenem Grund neben tiefschwarzer Brautkleidung: Donauschwäbische Frauen- und Mädchenkleidung von 1880 bis 1990 gibt überraschende Einblicke in die einstigen Lebenswelten von Frauen und Mädchen. Diese Welt war eng, weil von dörflichen und kirchlichen Regeln bestimmt, aber auch weit, weil sie die Vielfalt einer multikulturellen Gesellschaft bot.

Die Kuratorin der Ausstellung Henrike Hampe (Donauschwäbisches Zentralmuseum Ulm) erläutert: „Die Kleidungsensembles bestehen aus bis zu 15 Einzelteilen. Von ihnen trennten sich ihre Besitzerinnen trotz bewegter Lebensläufe nicht. So verdeutlichen sie die enge Beziehung zwischen Menschen und ihren Kleidern – vom Arbeitsgewand bis zur Brautausstattung, von der Mädchentracht bis zum Totenkleid. Jede der ausgestellten Trachten erzählt etwas über individuelle, weibliche Lebensgeschichten und gibt gleichzeitig Auskunft über die Geschichte der Donauschwaben in Wandel der Zeit.“

Die Ausstellung schlägt Brücken zwischen Tradition und Moderne, Ideologie und Realität, einstigem und heutigem textilen Upcycling. Sie vermittelt Einblicke in das Leben von Donauschwaben, den Nachkommen deutschsprachiger Auswanderer, die sich vom späten 17. bis zum 19. Jahrhundert im Königreich Ungarn niederließen. Dort lebten sie als eine ethnische Gruppe unter vielen.

Das Erstarken nationalistischer Tendenzen in der Region und schließlich der Nationalsozialismus zerstörten diese multiethnischen Gemeinschaften.

Ob aktive Befürworter, stille Mitläufer oder Unwillige – am Ende des Zweiten Weltkriegs waren alle Donauschwaben von Repressalien und oftmals Vertreibung betroffen.

Die Kleider, Fotografien und Gegenstände, die in dieser Ausstellung zu sehen sind, sind persönliche Zeugnisse dieser bewegten Leben – schwerer Stoff. Sie laden die Besucher ein, in europäische Geschichte(n) über Ankommen, Existenz, Abgrenzung und Integration, Ver- und Entwurzelung einzutauchen.

Die Ausstellung ist am Donauschwäbischen Zentralmuseum Ulm entwickelt worden. Nach Station am Ethnografischen Museum Budapest wird sie nun mit Unterstützung der am Museum Europäischer Kulturen angesiedelten Stelle „Koordinierung Ostmittel- und Südosteuropa“ in Berlin gezeigt.

Das Museum

Museum Europäischer Kulturen

Arnimallee 25
14195 Berlin

Öffnungszeiten 

Mo geschlossen
Di geschlossen
Mi 10:00 – 17:00 Uhr
Do 10:00 – 17:00 Uhr
Fr 10:00 – 17:00 Uhr
Sa 11:00 – 18:00 Uhr
So 11:00 – 18:00 Uhr

Ticketpreise

10,00 Euro

Mehr Informationen

smb.museum/museen-einrichtungen/museum-europaeischer-kulturen.

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Bildnachweis:

Museum Europäischer Kulturen Berlin

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