Mit HAAR – MACHT – LUST präsentiert die Kunsthalle München eine thematisch gestaltete, kulturübergreifende Ausstellung, die die vielschichtigen Bedeutungen von Kopf- und Körperhaar beleuchtet. Zu sehen sind über 200 historische und zeitgenössische Werke aus bedeutenden internationalen Sammlungen wie dem Prado, dem Louvre und dem Rijksmuseum. Die Gemälde, Skulpturen, Fotografien, Videoarbeiten, Schmuckstücke, Möbel, Designobjekte und Couture-Kreationen entfalten ein facettenreiches Panorama berührender und überraschender Geschichten rund um das menschliche Haar.
Frisuren spielen seit jeher eine zentrale Rolle in der Kommunikation von sozialem Status und gesellschaftlichen Normen. Schon im Alten Ägypten färbten sich Menschen die Haare und trugen Perücken – und bis heute gilt sorgfältig zurechtgemachtes Haar als Zeichen von Selbstinszenierung und Zugehörigkeit. Die Gestaltung von Kopf- und Körperhaar prägt dabei auch Vorstellungen von Geschlecht und gesellschaftlicher Rolle – indem sie diese bestätigt, hinterfragt oder, wie etwa im Drag, bewusst überzeichnet. Anhand von Abbildungen außergewöhnlich behaarter Menschen reflektierten Künstlerinnen und Künstler über Jahrhunderte hinweg die Grenze zwischen Natur und Kultur.
Darüber hinaus spürt die Ausstellung der besonderen Faszination nach, die Haare auf Menschen ausüben. Sie stehen für Schönheit und Attraktivität – und tragen zugleich eine innere Ambivalenz in sich. In Darstellungen von Figuren wie Maria Magdalena oder Medusa verkörpern sie zugleich Anziehung und Abschreckung. Haare können auch als Quelle von Kraft erscheinen – wie in der biblischen Geschichte des Samson, dessen Stärke in der Länge seines Haars begründet liegt. Dass sie ein Leben lang – dem Volksglauben nach sogar über den Tod hinaus – weiterwachsen, macht sie
zu einem Sinnbild menschlicher Vitalität. Seit der Renaissance dienten Haare deshalb auch als Liebespfand oder als Erinnerung an Verstorbene.
Gleichzeitig zeigt der Rundgang, dass Haar immer auch ein Mittel des Widerstands war – ob in den rebellischen Frisuren der Hippies und Punks oder im unbedeckten Haar der Frauen bei den jüngsten iranischen Protesten für Freiheit und Menschenrechte. Selbst die Haarstruktur – etwa bei Schwarzem Haar – kann zum politischen Symbol werden: Charakteristische Frisuren wie der Afro-Look werden zum Zeichen von kultureller Identität und Selbstermächtigung. Umgekehrt galt es über Jahrhunderte als Akt der Demütigung und Unterwerfung, jemandem die Haare abzuschneiden.
In der Ausstellung vertreten sind neben Objekten aus Frühgeschichte und Mittelalter unter anderem Werke von: Sandro Botticelli (1445–1510), Filippo Negroli (ca. 1510–1579), Giorgio Vasari (1511–1574), Bartolomé Esteban Murillo (1617–1682), Jacques-Louis David (1748–1825), Jean-Baptiste Carpeaux (1827–1875), John William Waterhouse (1849–1917), Alfons Mucha (1860–1939), Albert Weisgerber (1878–1915), J. D. ‚Okhai Ojeikere (1930–2014), Herlinde Koelbl (* 1939), VALIE EXPORT (* 1940), Pieter Hugo (* 1976), Simone Haack (* 1978) und Laetitia Ky (* 1996).





KUNSTHALLE München
Theatinerstraße 8
80333 München
Öffnungszeiten
täglich 10–20 Uhr
Ticketpreise
18 Euro
Mehr Informationen
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Bildnachweis:
Kunsthalle München MAK, GG-Berlin, Niko Koster, SKD, Thurn und Taxis Kunstsammlungen
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Kontakt: Redaktion@DNEWS24.EU
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