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Ausstellungstipp: 25 Jahre Jüdisches Museum Berlin – „Das Gegenteil von Jetzt“

Das Jüdische Museum Berlin (JMB) feiert sein 25-jähriges Bestehen mit der Jubiläumsausstellung „Das Gegenteil von Jetzt. Künstlerische Wege in eine andere Gegenwart“. Die Ausstellung in Berlin widmet sich einer hochaktuellen Frage: Wie kann eine andere, eine bessere Gegenwart aussehen?

Ausgangspunkt der Jubiläumsausstellung im JMB ist das Heute – eine Zeit, die von vielen Menschen als bedrückend, krisenhaft und ausweglos erlebt wird. Zwölf eigens für die Ausstellung entwickelte künstlerische Projekte setzen diesem Status quo neue und überlieferte Vorstellungen entgegen. Sie eröffnen Perspektiven auf Veränderung, Hoffnung, Utopie und ein besseres Leben für alle.

Kunst als Impuls für gesellschaftliche Veränderung

Mit „Das Gegenteil von Jetzt“ setzt das Jüdische Museum Berlin ein deutliches Zeichen für die Bedeutung von Kunst in gesellschaftlichen Debatten. Zum 25. Jubiläum präsentiert sich das JMB einmal mehr als Ort der Reflexion, des Dialogs und der Auseinandersetzung mit jüdischer Geschichte und Gegenwart.

Eine zentrale Perspektive der Ausstellung ist die Geschichte der jüdischen Minderheit. Über Jahrhunderte musste sie immer wieder mit unerträglichen Gegenwarten, Verfolgung und Ausgrenzung umgehen. Daraus entsteht eine besondere Frage: Was wäre das Gegenteil des gegenwärtigen Zustands? Und wie könnte eine grundlegende gesellschaftliche Umkehr aussehen?

„Das Gegenteil von Jetzt“ fragt damit nach Hoffnung, Erneuerung und einem besseren Leben für alle.

Zwölf Künstler und ihre Visionen einer anderen Gegenwart

Für die Jubiläumsausstellung wurden zwölf Kunstprojekte eigens neu entwickelt. Beteiligt sind Yael Bartana, Andrea Büttner, Chto Delat International, Arnold Dreyblatt, William Forsythe, Dana Kavelina, Alexander Kluge, Daniel Laufer, Ari Benjamin Meyers, Alona Rodeh, Eran Schaerf und Dor Zlekha Levy.

Allen Künstlern stellte das Jüdische Museum Berlin im Vorfeld ein Radiogespräch aus dem Jahr 1964 zur Verfügung. Darin diskutierten die Philosophen Ernst Bloch und Theodor W. Adorno über die Möglichkeiten von Utopie in der Gegenwart. Beide waren jüdischer Herkunft und mussten Deutschland während der nationalsozialistischen Verfolgung verlassen.

Ihre Überlegungen bilden einen wichtigen gedanklichen Ausgangspunkt für die Ausstellung: Das Bestehende müsste sich grundlegend verändern. Wie das Bessere im Detail aussehen könnte, lässt sich kaum festlegen. Doch die Fähigkeit, eine Richtung zu erkennen und sich eine andere Zukunft vorzustellen, kann entwickelt und geschult werden.

Utopie, Hoffnung und Erneuerung

Diese Idee des umfassenden Wandels greift „Das Gegenteil von Jetzt“ auf. Die ausgestellten Arbeiten beschäftigen sich mit grundsätzlicher Erneuerung – sowohl als persönlicher Erfahrung als auch als kollektivem gesellschaftlichem Ziel.

Mehrere Künstler knüpfen dabei an messianische Traditionen und jüdische Vorstellungen von Umkehr, Hoffnung und Erlösung an. Andrea Büttner, Arnold Dreyblatt, Alexander Kluge, Daniel Laufer und Alona Rodeh setzen sich mit Überlieferungen auseinander, in denen sich Hoffnung und Erneuerung immer wieder mit Erfahrungen von Not und Verfolgung verbinden.

Ari Benjamin Meyers zeigt mit seinem „Chor der Zeitastronauten“, dass Veränderung jederzeit möglich ist. Die Sänger seines Chors sind über 90 Jahre alt und proben während der Ausstellung in den Museumsräumen immer weiter. Jeder neue Anfang wird damit zu einem Zeichen für Erneuerung und die Möglichkeit, etwas anders zu machen.

Auch aktuelle Krisen und politische Konflikte spielen eine zentrale Rolle. Die ukrainische Künstlerin Dana Kavelina, die russische Exilkünstlergruppe Chto Delat International sowie die israelischen Künstler Dor Zlekha Levy und Yael Bartana hinterfragen die Bedeutung utopischen Denkens in einer von Krisen geprägten Gegenwart.

Eran Schaerf wiederum beschäftigt sich mit der Schriftstellerin Jacqueline Kahanoff und ihrem Konzept des Levantinismus. Gemeint ist ein am östlichen Mittelmeerraum verankertes, heute weitgehend vergessenes Modell des Zusammenlebens von Mehrheiten und Minderheiten, das sich an unterschiedlichen Orten jeweils neu zusammensetzt.

Der Choreograf William Forsythe richtet den Blick schließlich auf die Schwierigkeit, etablierte Muster zu durchbrechen. Seine choreografischen Anweisungen zeigen, wie verunsichernd ein solcher Bruch sein kann – und dass Veränderung möglicherweise scheitert. Trotzdem bleibt sie eine Möglichkeit, die jedem Menschen offensteht.

„Das Gegenteil von Jetzt“ im Jüdischen Museum Berlin

Die Jubiläumsausstellung „Das Gegenteil von Jetzt. Künstlerische Wege in eine andere Gegenwart“ verbindet zeitgenössische Kunst mit jüdischer Geschichte, philosophischen Utopien und aktuellen gesellschaftlichen Fragen. Sie lädt Besucher dazu ein, über das Bestehende hinauszudenken und sich mit der Möglichkeit einer anderen Gegenwart auseinanderzusetzen.

25 Jahre Jüdisches Museum Berlin werden damit nicht nur zum Anlass für einen Rückblick, sondern vor allem zu einem Ausgangspunkt für die Frage, wie Zukunft gestaltet werden kann.

Ein sehenswerter Ausstellungstipp für Berlin – insbesondere für alle, die sich für zeitgenössische Kunst, jüdische Geschichte, gesellschaftlichen Wandel, Utopien und aktuelle politische Diskurse interessieren.

Mehr Informationen

Jüdisches Museum Berlin
Lindenstr. 9–14
10969 Berlin

Öffnungszeiten: Di–So 10–18 Uhr

Tickets: 10,00 Euro

Jüdisches Museum Berlin

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Bildnachweis:

Jüdisches Museum Berlin

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