Finanzielle Unabhängigkeit für Frauen – ein überfälliges Ziel
Die Bundesregierung betont, dass eine niedrige gesetzliche Rente nicht automatisch Armut bedeutet, da Vermögen, weitere Einkünfte oder das Einkommen des Partners nicht berücksichtigt werden. Doch genau hier liegt das Problem: Frauen sollten nach einem langen Erwerbsleben nicht auf das Einkommen eines Partners angewiesen sein müssen.
Finanzielle Selbstständigkeit im Alter ist ein zentraler Baustein für Gleichberechtigung – und für ein Leben ohne Abhängigkeiten oder Sorgen.
Viele Frauen haben über Jahrzehnte in Teilzeit gearbeitet, Care-Arbeit geleistet oder berufliche Pausen eingelegt. Das Ergebnis zeigt sich nun brutal in den Rentenstatistiken. Die Zahlen machen deutlich: Das System benachteiligt Frauen strukturell – und das trotz voller Lebensleistung.
Immer mehr Rentner arbeiten weiter
Ein weiterer Trend verschärft die Lage älterer Menschen: Immer mehr Menschen arbeiten trotz Altersrente weiter. 2025 waren 14 Prozent der 65- bis 74-Jährigen erwerbstätig – ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Männer arbeiten häufiger weiter (16 Prozent) als Frauen (11 Prozent).
Besonders auffällig: 19 Prozent der 65- und 66-Jährigen sind weiterhin berufstätig. Selbst bei den 73- und 74-Jährigen arbeiten noch 8 Prozent.
Die meisten arbeiten in Teilzeit oder Minijobs: 40 Prozent weniger als zehn Stunden pro Woche, 25 Prozent zwischen zehn und zwanzig Stunden, 65 Prozent der abhängig Beschäftigten sind geringfügig angestellt.
Was jetzt wichtig ist
Die Zahlen zeigen klar: Die gesetzliche Rente allein reicht für viele Menschen nicht aus – und für Frauen besonders selten. Entscheidend ist, dass die Politik endlich Rahmenbedingungen schafft, die Frauen nach einem langen Erwerbsleben echte finanzielle Unabhängigkeit ermöglichen. Dazu gehören:
bessere Anerkennung von Care-Arbeit
faire Löhne und gleiche Karrierechancen
ein Rentensystem, das Lebensleistung nicht nur statistisch, sondern real honoriert
Denn ein Leben lang zu arbeiten und im Alter trotzdem nicht über die Runden zu kommen – das darf in einem modernen und immer noch reichen Sozialstaat nicht zur Normalität werden.